Donnerstag, 30. September 2004

Eine "unvergängliche" Bestattung: Die Asche Verstorbener wird zu Diamanten

  • Schweizer Firma mit kurioser Alternative zum Begräbnis
  • Kosten belaufen sich auf ca. 3500 Euro

Nichts ist unvergänglicher als ein Diamant. Nach diesem Leitsatz bietet die Schweizer Firma "Algordanza" eine kuriose "Bestattungsalternative" an. Sie presst die Asche des Verschiedenen zu einem edlen Diamanten. Ende nächster Woche möchte Algordanza auch in Dornbirn ein Büro eröffnen.

Geschäftsführer Veit Brimer will mit seinem Angebot eine Alternative für Menschen bieten, die ihre Trauerarbeit auf diese Art leisten wollen. Das rätoromanische Wort "Algordanza" bedeute schließlich nichts anderes als "Erinnerung". Das große Medienecho nach der Eröffnung seiner Firma im Juli im schweizerischen Chur (Kanton Graubünden) hat ihn dazu veranlasst, seine Geschäftsaktivitäten über die Grenzen der Schweiz auszudehnen.

Farbe des Diamanten bei jedem Menschen anders
Am Ende des Herstellungsprozesses steht ein einmaliger, unverwechselbarer blauer Diamant. Auf Grund der verschiedenen Umwelteinflüsse und der Ess- und Trinkgewohnheiten ist der Blauton des Diamanten von Mensch zu Mensch verschieden. "Es gibt keine zwei gleichen Steine, wie es auch keine zwei gleichen Menschen gibt", so Brimer. Als Bestätigung, dass es sich bei dem Diamanten um die verarbeiteten Überreste des Verstorbenen handelt, erhält jeder Kunde während oder nach der Herstellung einen Ablaufplan und eine chemische Analyse der Asche. Somit könnte laut Brimer jedes chemische Labor den "Fingerabdruck" bestätigen.

Mit 60.000 Bar zu einem Schmuckstück gepresst
Hergestellt wird der Diamant laut Brimer mit Hilfe eines chemischen Verfahrens, in dem zunächst die anorganischen Stoffe aus der Asche gelöst und in die Luft geblasen werden. Das übrig gebliebene Karbon wird anschließend bei einer Temperatur von 1.500 Grad unter einem Druck von 60.000 Bar zwei Wochen lang gepresst. "Der Diamant ist echt und keineswegs künstlich", betont Brimer. Nur die Umgebungsbedingungen beim Herstellungsprozess würden künstlich geschaffen.

Dass er seine Geschäftsidee überhaupt in die Realität umsetzen konnte, verdankt Brimer der in dieser Frage vergleichsweise liberalen Gesetzgebung der Schweiz. In Österreich ist es nicht gestattet, die Asche eines Verstorbenen zu Hause aufzubewahren. Nach Angaben von Brimer erlaubt das Gesetz aber, die Asche eines Verstorbenen ins Ausland zu überführen, wenn sie dort bestattet wird - was im Falle von "Algordanza" in Form der Verarbeitung zu einem Diamanten geschieht.

Die Kosten der Verarbeitung der Asche zum Diamanten gibt Brimer mit rund 3.500 Euro an. Gegen den Vorwurf, er betreibe Geldmacherei, setzt er sich energisch zur Wehr. "Es geht mir darum, für jene, die das wollen, eine bleibende Erinnerung zu schaffen", so Brimer. In unserer Begräbniskultur würde man die Ahnen sehr schnell vergessen. "Im Buddhismus etwa kennen die Leute ihre Vorfahren bis 1.000 Jahre zurück." Zur Zeit bekomme er täglich etwa zehn Anfragen, die Hälfte davon aus dem Ausland.
(apa/red)

30.9.2004 14:19