Donnerstag, 30. September 2004

Verheerende Explosionen in Bagdad: Über 50 Tote bei Autobombenanschlägen

  • US-Soldaten durch hinterhältige "Sprengfallen" getötet
  • Erneut zehn Menschen von Geiselnehmern verschleppt

Bei einer Serie von blutigen Anschlägen im Irak sind etwa 50 Menschen getötet worden, die meisten davon Kinder. Allein in Bagdad starben nach Krankenhausangaben mindestens 41 Menschen bei der fast zeitgleichen Detonation von drei Autobomben. Unter den Opfern waren 37 Kinder. Dutzende Menschen wurden verletzt. Der verheerendste der drei Anschläge ereignete sich bei der Einweihungsfeier einer Wasserpumpstation, wo laut Augenzeugen mindestens 32 Kinder starben. Bei zwei weiteren Autobombenanschlägen in und um Bagdad wurden insgesamt fünf Menschen getötet und 29 weitere verletzt. Eine radikalislamische Gruppe brachte nach eigenen Angaben zehn Menschen im Irak in ihre Gewalt.

Ärzte im Jarmuk-Krankenhaus von Bagdad sprachen von 37 getöteten Kindern und vier getöteten Erwachsenen bei den drei Autobombenanschlägen. Nach der Explosion der ersten Autobombe bei der Feier an der Wasserpumpstation im Wohngebiet El Amel wurde Augenzeugen zufolge mindestens eine Anti-Panzer-Granate abgefeuert. Kurz darauf sei eine zweite Autobombe detoniert. Die Explosionen ereigneten sich laut Augenzeugen beim Vorbeifahren eines US-Konvois. Nahezu parallel detonierte ein Sprengsatz etwa einen Kilometer entfernt an einer Straßensperre der Nationalgarde.

US-Armee und irakische Polizei riegelten den Anschlagsort ab. Nach Angaben eines US-Offiziers wurden auch mehrere US-Soldaten verletzt. Kurz zuvor waren bei der Explosion einer Autobombe nahe einem Stützpunkt der US-Armee westlich von Bagdad ein US-Soldat und zwei irakische Polizisten getötet worden. Zehn Iraker und drei US-Soldaten wurden nach US-Armeeangaben verletzt. In der Stadt Tall Afar nördlich von Bagdad wurden nach Krankenhausangaben bei einem weiteren Autobombenanschlag mindestens vier Iraker getötet und 16 weitere verletzt.

Bei Bagdad wurden bei einem Raketenangriff ein Soldat der multinationalen Truppe getötet und sieben weitere verletzt. Zwei irakische Polizisten starben bei einem Angriff in Mossul. Bei erneuten Luftangriffen der US-Armee in der sunnitischen Widerstandshochburg Falluja starben drei Menschen, 16 weitere wurden verletzt.

Unter den zehn angeblich von einer islamistischen Gruppe entführten Geiseln sind Berichten zufolge zwei Indonesierinnen, zwei Libanesen und sechs Iraker. Auf einem vom katarischen Fernsehsender Al Jazeera ausgestrahlten Video sind allerdings nur vier Männer zu sehen, die von ihren Entführern mit Maschinengewehren bedroht werden. Eine Gruppe namens "Islamische Armee im Irak - Kommando der westlichen Region" bekannte sich zu der Geiselnahme, stellte aber zunächst keine Forderungen. Es handelt es sich vermutlich um eine Untergruppe der "Islamischen Armee im Irak", die seit 20. August zwei französische Journalisten in ihrer Gewalt hat.

Die thailändische Ehefrau des verschleppten Briten Kenneth Bigley bat die Entführer unterdessen um Gnade. "Bitte haben Sie Mitgefühl mit unserer Familie", sagte Sombat Bigley an die Kidnapper gerichtet. Der britische Außenminister Jack Straw schloss Verhandlungen mit Bigleys Entführern erneut kategorisch aus. Sollten die Kidnapper jedoch Kontakt aufnehmen, "würden wir uns sicher anhören, was sie zu sagen haben", sagte Straw dem TV-Sender GMTV.

Die NATO will bis zu 3.000 Mann im Rahmen ihrer Ausbildungsmission im Irak einsetzen. Diese Zahl umfasse sowohl die Ausbilder selbst als auch die zu ihrem Schutz abgestellten Soldaten, hieß es aus der Umgebung des NATO-Oberbefehlshabers für Europa, US-General James Jones. Bisher hatte die NATO lediglich von 300 Ausbildern gesprochen, die in einer Militärakademie bei der Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte helfen sollen. (apa/red)

30.9.2004 18:20