Donnerstag, 30. September 2004

Tauziehen um Flüchtlinge in China: Peking fordert die Auslieferung der Nordkoreaner

  • Kanada soll die Flüchtlinge an China übergeben
  • Vize-Außenminister: "Gegen Einbrechen in Botschaften"

Tauziehen um 44 nordkoreanische Flüchtlinge in China. Die Gruppe war am Mittwoch auf das kanadische Botschaftsgelände geflüchtet. Nun fordert Peking die Auslieferung der Nordkoreaner. "Wir sind aus Sicherheitsgründen gegen das Einbrechen in ausländische Botschaften", sagte Vize-Außenminister Shen. Die Personen seien illegal nach China eingereist, betonte er.

Die Flüchtlinge würden nach internationalen und nationalen Gesetzen "im Geiste der Humanität" behandelt, versicherte Shen. Es gebe bereits einen "Mechanismus und eine übliche Praxis in dieser Angelegenheit". Weiter wollte sich Shen dazu nicht äußern.

Es ist die bisher größte Gruppe, die seit Beginn der Fluchtaktionen vor drei Jahren in einer diplomatischen Einrichtung in China Zuflucht gesucht hat. Kanadas Botschafter Joseph Caron berichtete, unter den Flüchtlingen seien Frauen und Kinder. Einige seien verletzt.

Die Nordkoreaner waren über einen etwa drei Meter hohen Eisenzaun mit spitzen Zacken geklettert. Ein Flüchtling hat es nach südkoreanischen Berichten nicht geschafft und wurde festgenommen. Offenbar handelte es sich um mehrere Familien, die ihre Flucht seit Monaten vorbereitet hatten.

Seit 2001 haben mehrere hundert Nordkoreaner, die vor Hunger und Unterdrückung in ihrem Land nach China geflüchtet sind, über die Flucht in diplomatische Einrichtungen in China ihre Ausreise nach Südkorea erzwungen. Die Behörden schieben Nordkoreaner bei einer Ergreifung über die Grenze ab, wo ihnen Misshandlungen und Arbeitslager drohen. In China leben nach Schätzungen mehr als 150.000 Nordkoreaner im Untergrund. (apa)

30.9.2004 09:21