Donnerstag, 30. September 2004

EU-Kommission: Ein Türkei-Beitritt birgt große Chancen für beide Seiten in sich

  • Einschränkung in Studie: Wenn richtig angegangen
  • Geringe positive wirtschaftliche Auswirkungen

Ein Beitritt der Türkei zur Europäischen Union bringt nach Einschätzung eines Studienentwurfs der EU-Kommission beiden Seiten große Chancen. In dem Entwurf einer Studie über die Auswirkungen eines türkischen Beitritts heißt es: "Ein Beitritt der Türkei zur Union wäre für die EU und die Türkei eine Herausforderung. Wenn er richtig angegangen wird, würde er große Möglichkeiten für beide eröffnen."

Die Studie ist Teil des Mittwoch kommender Woche geplanten Berichts der Kommission über die Eröffnung von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Die Kommission geht darin von langen Übergangsfristen für den Zugang von Türken zum EU-Arbeitsmarkt aus. In jedem Fall würden sich die Beitritts-Vorbereitungen bis weit in das nächste Jahrzehnt hinziehen.

Zu den wesentlichen politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen eines türkischen Beitritts stellt die Kommission in dem Entwurf folgendes fest: Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Beitritts wären positiv, wenngleich gering. Die Netto-Kosten eines Beitritts könnten zwischen mehr als 16 und knapp 28 Milliarden Euro jährlich liegen.

Für den Arbeitsmarkt empfiehlt die Kommission lange Übergangsfristen und eine Vorbehaltsklausel für den Zugang von Türken zu den Arbeitsmärkten in den anderen EU-Staaten. Zudem könne der starke Bevölkerungszuwachs der Türkei die Alterung der Bevölkerung in den anderen EU-Staaten abfedern.

Erweiterungskommissar Verheugen hatte bereits angekündigt, mit der inzwischen beschlossenen türkischen Strafrechtsrechtsreform würden die letzten Hürden aus dem Weg geräumt. Deshalb wird eine positive Empfehlung erwartet. Die Entscheidung über Beitrittsverhandlungen trifft ein EU-Gipfel am 17. Dezember auf Grundlage der Empfehlung der Kommission. (apa)

30.9.2004 08:35