Mittwoch, 29. September 2004

Massenflucht! Nordkoreaner drangen in die kanadische Botschaft in Peking ein

  • Eisenzaun mit selbst gebastelten Leitern überwunden
  • Kein Stacheldraht wie bei anderen Botschaften

Eine Gruppe von 44 Nordkoreanern ist am Mittwoch in die kanadische Botschaft in Peking geflüchtet. Es ist die bisher größte Gruppe, die seit Beginn der Fluchtaktionen vor drei Jahren in einer diplomatischen Einrichtung in China Zuflucht gesucht hat. Kanadas Botschafter Joseph Caron berichtete, unter den Flüchtlingen seien Frauen und Kinder. Einige seien verletzt. Die Nordkoreaner waren über einen etwa drei Meter hohen Eisenzaun mit spitzen Zacken geklettert. Ein Flüchtling hat es nach südkoreanischen Berichten nicht geschafft und wurde festgenommen. Offenbar handelte es sich um mehrere Familien, die ihre Flucht seit Monaten vorbereitet hatten.

Kanada werde mit den Flüchtlingen "in Übereinstimmung mit unserer Praxis, dem Völkerrecht und den humanitären Sorgen dieser Leute" umgehen, sagte der Botschafter. Die Flüchtlinge hätten "mit selbst gebastelten Leitern" den Zaun überwunden.

Anders als die deutsche Botschaft auf der Straßenseite gegenüber und andere Missionen in Peking hatte es Kanadas Botschaft abgelehnt, zusätzlich zu den ohnehin hohen Gittern noch weitere Zäune aufzubauen und Stacheldraht zu verlegen. "Wir sind ein offenes Land", sagte der Botschafter. "Wir wollen nicht das Gefühl vermitteln, dass Kanada ein Land ist, das irgendwie hinter Barrieren liegt." Die Botschaft werde angemessen gesichert. "Aber wir sind kein Militärlager."

Seit 2001 haben mehrere hundert Nordkoreaner, die vor Hunger und Unterdrückung in ihrem Land nach China geflüchtet sind, über die Flucht in diplomatische Einrichtungen in China ihre Ausreise nach Südkorea erzwungen. Die Behörden schieben Nordkoreaner bei einer Ergreifung über die Grenze ab, wo ihnen Misshandlungen und Arbeitslager drohen. In China leben nach Schätzungen mehr als 150.000 Nordkoreaner im Untergrund. (apa)

29.9.2004 13:35