Dienstag, 28. September 2004

Französischen Geiseln vor Freilassung: Terroristen fordern einen sicheren Korridor

  • Koffer der Journalisten sei bereits gepackt
  • Malbrunot Chesnot seit fünf Wochen gefangen

Nach der Freilassung der zwei italienischen Geiseln, dürfen auch die französischen Unterhändler wieder Hoffnung schöpfen. Angeblich steht die Freilassung zweier im Irak entführter französischer Journalisten kurz bevor. Voraussetzung dafür sei die Absicherung eines Korridors durch die US-Armee, sagte am Mittwoch ein Sprecher von Philippe Brett, der nach eigenen Angaben die Männer am Montag getroffen hatte. "Jetzt ist alles bereit. Um es bildlich darzustellen: Alle sitzen im Auto, die Koffer sind auf dem Dachgepäckträger und alle warten darauf, dass sie Straße gesichert wird", sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Die beiden Journalisten Georges Malbrunot und Christian Chesnot sind seit fünf Wochen in Gefangenschaft.

"Was wir von unseren amerikanischen Freunden gerne hätten, ist ein Korridor, wie sie ihn gestern für die italienischen Geiseln eröffnet haben", sagte der Sprecher. Zwei italienische Mitarbeiterinnen einer Hilfsorganisation waren am Vortag frei gekommen. In Italien war nichts über eine Mithilfe der USA bekannt geworden. Der Sprecher sagte weiter, Brett habe eine Zusage für die Freilassung erwirkt, ohne dass ein Lösegeld angeboten worden sei. Einem italienischen Abgeordneten zufolge war eine Million Dollar (etwa 812.000 Euro) für die Freilassung der Frauen gezahlt worden, was von offizieller Seite dementiert wurde.

Das französische Außenministerium bestätigte die Angaben des Sprechers nicht. "Seit gestern Abend verfolgen wir, was Herr Brett sagt, aber wir haben keine Informationen über seine Verhandlungen und können sie deshalb nicht bestätigen", sagte ein Ministeriumssprecher. Brett hatte am Dienstag im arabischen Fernsehen gesagt, er habe die Geiseln getroffen. Er ist der Präsident des bisher wenig bekannten Französischen Büros für industrielle und kulturelle Entwicklung (OFDIC), das sich nach eigenen Angaben für französische Interessen im Ausland einsetzt. "Es war eine persönliche Initiative", sagte Bretts Sprecher. "Er kennt die an der Sache Beteiligten sehr gut."

Eine Gruppe mit dem Namen Islamische Armee des Irak hatte sich zu der Entführung bekannt und gefordert, dass Frankreich sein neues Verbot moslemischer Kopftücher an Schulen wieder aufhebt. Frankreich hat dies abgelehnt. Chesnot arbeitet für den Rundfunksender Radio France Internationale (RFI) und Malbrunot für die Zeitung "Le Figaro".

(apa)

28.9.2004 22:40