Debatte um Seligsprechung: Schüssel für entpannteren Umgang mit Habsburgern
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Unmut in der SPÖ über hochrangige Delegation
Österreich sollte sich "einen entspannteren Umgang mit der Familie Habsburg angewöhnen", meint Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in einem Interview mit einer österreichischen Tageszeitung zur Debatte über die Seligsprechung Kaiser Karls. Habsburg habe "mit Österreich etwas zu tun, und die Opposition ist völlig schief gewickelt, wenn sie das parteipolitisch instrumentalisiert", so Schüssel.
Schüssel verteidigte die Anwesenheit österreichischer ÖVP- Spitzenpolitiker bei der Feier am Sonntag in Rom. Er "finde, dass Österreich bei einer solchen Zeremonie vertreten sein muss, und ich bin froh, dass Nationalratspräsident Andreas Khol diese Aufgabe übernommen hat." Schließlich seien auch Ungarn und Kroatien hochrangig vertreten.
"Es hätte auch den anderen Parteien nicht geschadet, sich einzubringen; das heißt ja noch lange nicht, dass man konvertieren oder alles an den Habsburgern super finden muss", so Schüssel. Die Frage, ob die Seligsprechung gerechtfertigt sei, sei Angelegenheit der Kirche, erklärte Schüssel: "Das ist ein kirchlicher Vorgang, eine Prüfung, die ernst genommen wird und die ein Zeichen setzen will, sei es bei Widerstandskämpfern, karitativen Ikonen oder eben bei Kaiser Karl I."
Er kenne "keinen Historiker, der sagt, Kaiser Karl ist ein Finsterling gewesen. Für mich war er ein anständiger Mensch, der im Rahmen seiner Möglichkeiten versucht hat, für den Frieden etwas zu tun, auch wenn es zu spät war." Der Bundeskanzler forderte "mehr Demut vor geschichtlichen Figuren". Dies seien "dramatische, existenziell spannungsgeladene Zeiten" gewesen. "Ich verurteile die Leichtigkeit, mit der Generationen, die nie einen Krieg bewusst und aktiv erlebt haben, über die Ereignisse hinwegschreiten."
Darabos: Aussagen Schüssels über Karl I. mehr als befremdlich
Die Aussagen von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel über Kaiser Karl I. "zeugen von einer historischen Unkenntnis, die erschreckend ist". Mit diesen Worten reagierte der SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos auf Äußerungen Schüssels in der "Kleinen Zeitung" (Samstag-Ausgabe). "Wenn Schüssel Karl I., der immerhin für Giftgaseinsätze im Ersten Weltkrieg verantwortlich gemacht wird, für ´einen anständigen Menschen´ hält, müsse sich der Kanzler den Vorwurf der Geschichtsverklärung gefallen lassen", sagte Darabos am Freitagabend laut einer Aussendung des SPÖ-Pressedienstes.(apa/red)
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