Donnerstag, 30. September 2004

Vatikan schweigt sich aus: Wird Küng nach Krenn-Rücktritt Bischof in St. Pölten?

  • Stadler: Kirche 'finanziell trockenlegen' & Volksbegehren
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"Machtwechsel" in St. Pölten. Erst nach einer persönlichen Aufforderung vom Papst hat Bischof Kurt Krenn seinen Rücktritt bekanntgegeben. Bis zum Schluss hat sich der Altbischof geweigert die Diözese zu verlassen.Die Reaktionen auf den Wechsel sind gespalten. Nur Rom schweigt weiterhin zu dem Thema. Laut dem Theologen Paul Zulehner ist die Frage zur Nachfolge im Vatikan aber bereits geklärt. Demnach wird der Feldkircher Bischof Klaus Küng die Aufgabe übernehmen. Zweiter Favorit Schwarz zu Nachfolgespekulationen: "Ich bin gerne Bischof von Kärnten". Unterdessen droht FP-Volksanwalt Ewald Stadler mit einem Volksbegehren zum Thema Kirchensteuer und will die Kirche "finanziell trockenlegen".

Er leitet ja auch die Visitation nach dem Kinderporno-Skandal im St. Pöltener Priesterseminar, die Krenns Abgang einleitete. Wie Zulehner gegenüber der APA betonte, wäre Küng eine gute Wahl, denn ein eher der konservativen Seite zugehöriger Bischof müsse sich nicht den Vorwurf machen lassen, "dass ein liberaler Bischof am konservativen Flügel aufräumt."

Der von Krenn bestätigte Rücktritt ist für Zulehner "so etwas wie eine ungewollte Selbstabsetzung des Bischofs." Der Skandal im Priesterseminar sei ja kein Zufall gewesen, der Zustand der gesamten Diözese sei "desolat". Am Ende habe Bischof Krenn selber einsehen müssen, "dass es mit ihm nicht mehr weiter geht".

"Gottes Mühlen mahlen langsam"
Pater Eberhard von Gemmingen, Leiter der deutschsprachigen Sektion bei Radio Vatikan, geht davon aus, dass die Bischofsernennung nach dem Rücktritt von St. Pöltens Diözesanbischof Kurt Krenn "länger dauernd wird". Von einer "Ruck-Zuck-Geschichte" sei nicht auszugehen. Warum sich der Vatikan mit der offiziellen Bestätigung des Rücktritts so viel Zeit lasse? "Gottes Mühlen mahlen langsam", so von Gemmingen, und etwas später, "Gottes Mühlen mahlen gründlich". Warum es jetzt noch irgendwo klemme, wisse er nicht, es könne dabei aber auch um "praktische Fragen" gehen.

Dass der Vatikan einräumen wird, dass mit der seinerzeitigen Ernennung Krenns zum Bischof einen Fehler gemacht habe, das werde der Vatikan "zu 90 Prozent oder zu 100 Prozent nicht sagen", meinte von Gemmingen. Wobei der Geistliche betonte, dass Papst Johannes Paul II. "nicht auf den Mund gefallen ist oder zumindest war" und auch eingestehe, dass die Kirche Fehler mache.

Küng & Schwarz schweigen
Nachfolge-Kandidat Küng gab vorerst keine Stellungnahme zum Rücktritt Kurt Krenns ab. Er könne auch "nichts sagen", weil den Bischöfen "offiziell noch nichts bekannt" sei, erklärte Küng-Sprecher Bernhard Augustin. Demnach sei die Annahme des Rücktritts durch Rom und die diesbezügliche Mitteilung abzuwarten. Die Visitation der Diözese St. Pölten wird laut Augustin fortgesetzt. Auch der 2. mögliche Kandidate für das Amt des Bischofs in St. Pölten, Alois Schwarz, will "sich weder an den Spekulationen beteiligen, noch diese kommentieren". Er sei gerne Bischof in Kärnten, ließ Schwarz über seinen Sprecher Matthias Kapeller ausrichten.

Sprecher Dinhobl bestätigt Krenns Rücktritt
Der Bischof habe am Dienstag dem Wunsch des Papstes entsprochen und seinen Rücktritt eingereicht, bestätigte Michael Dinhobl, Sprecher von Kurt Krenn. Das diesbezügliche Schreiben des Heiligen Vaters sei am Sonntag überbracht worden. Krenn hielt sich am Donnerstag in St. Pölten auf. Es gehe ihm "gut", so Dinhobl.

Der Heilige Vater habe Krenn um den Rücktritt gebeten, sagte der Sprecher. Krenn sei diesem "Wunsch des Papstes gefolgt". Er sei damit auch bei seiner Linie geblieben. Der Bischof habe stets darauf hingewiesen, dass ein Rücktritt für ihn nicht in Frage käme - außer der Heilige Vater würde diese Bitte an ihn herantragen, erinnerte Dinhobl. Wann die Annahme veröffentlicht werde, bezeichnete der Sprecher als "Sache Roms". Dinhobl ging davon aus, dass der Nachfolger Krenns "kommende Woche ernannt wird".

(apa/red)

30.9.2004 22:31