Dienstag, 28. September 2004

"Werden uns bald selber wehren": Trais-kirchen rüstet sich gegen Flüchtlingslager

  • Bevölkerung fühlt sich von Politik im Stich gelassen
  • Im Dunklen traut sich kaum noch jemand auf die Straße

Emotionen waren vorprogrammiert, als sich rund 200 Traiskirchner in den örtlichen Stadtsaal zwängten. Bürgermeister Fritz Knotzer (S) hatte zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Flüchtlingslager geladen. Bürgermeister zweier Anrainergemeinden, der Bezirkshauptmann sowie ein Vertreter des Innenministeriums stellten sich der aufgebrachten Menge. Was ihnen entgegenschlug waren Frust, Enttäuschung, Angst, Ärger und Verzweiflung.

"Sie tun mir Leid", versuchte es Walter Ruscher vom Innenministerium mit Solidarisierung. Doch die kam beim Publikum nicht an. Die Wut auf nicht eingehaltene Versprechen seitens der Politik ist enorm: "Sie verordnen uns ja indirekt eine Ausgangssperre - nach Einbruch der Dunkelheit traut sich kaum noch jemand auf die Straße", zürnte ein echauffierter Bürger, der den Mangel an Gendarmeriepersonal anprangerte. Permanente Überfüllung des Flüchtlingslagers und steigende Kriminalität hat die Stimmung in der Stadt längst zum Brodeln gebracht.

Bezirkshauptmann Helmut Leiss gab den Betroffenen recht, die Anzahl der Asylwerber sei zu hoch: "Für die Beamten ist das zu viel, das geht an die Grenzen der Leistungsfähigkeit unserer Gendarmen. Die sind immer hinten nach und haben keinerlei Chance auf Präventivmaßnahmen." 20.500 Menschen haben den Sechs-Punkte-Forderungskatalog des Gemeinderats unterschrieben. Knotzer warnte: "Die Fremdenfeindlichkeit in der Bevölkerung steigt."

Großer Frust über Nichteinhaltung von Versprechen
Die Bürger fühlen sich allein gelassen - vom Innenminister, vom Landeshauptmann, von den Behörden: "Im Fall einer Beschwerde werden wir von einer Institution an die andere verwiesen, ist denn niemand zuständig?", erhielt ein Diskutant aus dem Publikum tosenden Applaus. Ein anderer: "Wann kommen endlich mehr Beamte? Wir wollen, dass uns endlich geholfen wird."

Besonders erbost reagierten die Traiskirchner über das seit 1. Mai 2004 geltende Asylgesetz: "Was ist denn die 15a-Vereinbarung eigentlich für ein naives Gesetz, das nicht einmal Sanktionen vorsieht für jene Länder, die die vorgeschriebenen Quoten nicht einhalten?"

Angst und Verzweiflung in Traiskirchen
Lärmbelästigung, Drogenhandel im Ortsgebiet und Diebstähle seien an der Tagesordnung, besonders am Abend haben vor allem Frauen und Kinder Angst vor Belästigungen. "Die Situation gehört rasch bereinigt, schon allein aus Fairness und Dankbarkeit gegenüber der Bevölkerung. Was sich hier derzeit abspielt, soll sich jeder einmal vor Augen führen", forderte der Trumauer Bürgermeister Abg. Otto Pendl (S).

Doch die Lage in Traiskirchen scheint dramatischer als bisher angenommen. Eine lapidare Wortmeldung eines Einwohners machte deutlich, wie angespannt die Stimmung bereits ist: "Wenn uns nicht bald geholfen wird, werden wir uns selber wehren." (apa/red)

28.9.2004 08:50