Montag, 27. September 2004

Keine Einigung in Salzburger Abtreibungs- debatte: Forum erstellt Arbeitskreise

  • Salzburgs Bischof vermittelte zwischen SPÖ & ÖVP
  • Eigene Abtreibungskliniken von Burgstaller abgelehnt

Zu einem Grundkonsens zum Thema Abtreibung fand das "Forum neues Leben", das am Montag zum ersten Mal auf Einladung des Salzburger Erzbischofs Alois Kothgasser zusammengetroffen war. "Wir müssen alle Möglichkeiten nützen, um den in Not geratenen schwangeren Müttern die notwendige Hilfe anzubieten", zog Kothgasser vor Journalisten ein erstes Resümee. Über die Frage, ob Abtreibungen an öffentlichen Spitälern ermöglicht werden, gab es hingegen noch keine Einigung zwischen SPÖ und ÖVP.

"Abtreibungen sollen in Salzburg der allerletzte Ausweg sein", so lautete der Grundtenor aller Beteiligten der hochkarätigen Diskussionsrunde, die sich unter anderen aus Vertretern von Politik, Ökumenischer Arbeitskreis, kirchlichen Einrichtungen sowie Arbeiter- und Landwirtschaftskammer zusammensetzte. "Wir haben viele Erfahrungen zusammengetragen und werden jetzt die Realität anschauen", sagte Erzbischof Kothgasser, der betonte, dass "Abtreibung das größte Unrecht bleibt". In dem Forum gehe es nicht um die Frage, ob und wo Abtreibungen durchgeführt werden, sondern darum, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für in Not geratene schwangere Frauen zu setzen, erklärte Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ).

Fünf Arbeitskreise sollen Lösungen finden
Es werden nun fünf Arbeitskreise gebildet, die sich mit fünf Themenschwerpunkten befassen: Öffentliches Bewusstsein für das Leben schaffen; die Intensivierung der Beratungsmöglichkeit; die Schaffung von Wohnmöglichkeiten für schwangere Frauen in Notsituationen mit gleichzeitiger psychologischer, spiritueller und ganzheitlicher Betreuung; viertens die Frage der Finanzierung und fünftens die Erleichterung von Adoptionen.

Die politisch brisante Frage, ob und wann Abtreibungen an den Salzburger Landeskliniken durchgeführt werden, konnte heute weder Burgstaller, die diese Möglichkeit befürwortet, noch der designierte ÖVP-Chef LHStv. Wilfried Haslauer, der sich entschieden dagegen ausgesprochen hatte, beantworten. "Wir sondieren jetzt mehrere Möglichkeiten, in diesem Punkt ist es noch zu keiner Lösung gekommen", sagte Haslauer. Er zeigte sich besorgt, dass das LKH in den Ruf einer Abtreibungsklinik gerate. Es sei nicht richtig, dass Frauen in Privatordinationen viel zahlen müssen, die Kosten lägen bei rund 660 Euro. "Das Preis- und Reiseargument geht am Thema vorbei." Wesentlich sei die medizinisch ordnungsgemäße Betreuung, betonte Haslauer.

Eigene Abtreibungskliniken abgelehnt
Für Burgstaller ist nicht der Ort der Abtreibung entscheidend, sie lehnt aber eigene Abtreibungskliniken ab, da diese "radikale Elemente" anziehen könnten. Noch heuer solle es eine politische Entscheidung geben, wo Frauen, die keinen anderen Ausweg mehr fänden, abtreiben können. Burgstaller sprach sich in diesem Zusammenhang für die "bestmögliche medizinische Betreuung zum Selbstkostenpreis mit der bestmöglichen Beratung und Nachbetreuung" aus. Eine Abtreibung im LKH würde etwa 400 Euro kosten. Soziale Härtefälle könnten eine finanzielle Unterstützung erhalten.
(apa)

27.9.2004 14:37