Montag, 27. September 2004

Weniger Verkehrstote im ersten Halbjahr: Anstieg bei jugendlichen Opfern registriert

  • 15-jährige Mopedlenker gelten als größte Risikogruppe
  • Sorglos: Fast die Hälfte ist im Pkw nicht angeschnallt!

Die Verkehrsunfallbilanz des ersten Halbjahres 2004 zeigt auf den ersten Blick eine sehr erfreuliche Entwicklung: Seit Bestehen der Unfallstatistik aus dem Jahre 1961 konnte kein so positives Halbjahresergebnis bei Unfällen, Verletzten und Getöteten mehr eingefahren werden. Vor allem die Bundesländer Burgenland, Kärnten und Niederösterreich nehmen Spitzenpositionen im Reigen der "Best off" ein. Bei näherer Betrachtung der "nackten Zahlen" hält sich das Ausmaß der Euphorie allerdings in Grenzen.

Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV), zeigt sich besorgt: "Vor allem Fußgänger, Radfahrer und Kinder auf Schutzwegen sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Starker Schutz für schwache Verkehrsteilnehmer ist daher dringend gefordert. Als regelrechte Problemfälle kristallisieren sich die 15-jährigen Mopedlenker und die Hochrisikogruppe der 18 bis 24-jährigen Lenker heraus. Maßnahmen gegen Hochrisikolenker und eine bessere Ausbildung für 15-jährige sind überfällig!"

Vom 1.1. 2004 bis 30.6. 2004 ereigneten sich - nach vorläufigen Ergebnissen - auf Österreichs Straßen 18.754 Unfälle mit Personenschaden mit 24.825 Verletzten und 377 Toten. Die Zahl der Getöteten ist im Vergleich zu 2003 um 12,1% gesunken.

Fußgänger und Radfahrer - Stiefkinder im Straßenverkehr?
Trotz eines allgemeinen Rückgangs der Getötetenzahlen, steigt diese bei den ungeschützten Verkehrsteilnehmern wieder an. Sowohl Radfahrer (+1) als auch Fußgänger (+7) verzeichnen einen Anstieg. Laut KfV würde eine bessere Infrastruktur für Radfahrer nicht nur den "umweltschonenden Drahteseln" zugute kommen, sondern auch bei Konflikten zwischen Fußgängern, Autofahrern und Radfahrern helfen. Diese treten nämlich dann auf, wenn der Weg per Rad auf der Straße zum Spießrutenlauf wird und als Lösung die Flucht auf den Gehsteig angetreten wird.

Mehr als die Hälfte der zusätzlich getöteten Fußgänger sind Kinder. Im ersten Halbjahr 2004 wurden bei 2.031 Fußgängerunfällen, 1.979 Fußgänger verletzt und 51 getötet - das bedeutet einen Anstieg um 16 Prozent bei den getöteten Fußgängern!

Vier von sieben zusätzlich getöteten Fußgängern sind Kinder - das ist der höchste Stand seit fünf Jahren. Fußgänger haben es in der Alpenrepublik besonders schwer, zeigt Thann auf: "Im Vergleich zum EU-Durchschnitt besteht in Österreich eine höhere Wahrscheinlichkeit als Fußgänger verletzt zu werden. Bei den Verunglückten pro Personenkilometer - das sind die Kilometer, die pro Person zurückgelegt werden - liegt Österreich innerhalb der EU 15 an 13. bzw. drittletzter Stelle."

Kinder - auch auf Schutzwegen gefährdet
Leider kommt es immer wieder zu tragischen Unfällen mit Kindern, weil viele Erwachsene einfach nicht um den immer und überall geltenden Vorrang für Kinder Bescheid wissen: Laut der jüngsten KfV-Umfrage sind dies immerhin fast zwei Drittel der Autofahrer. "Auch am Zebrastreifen sind Kinder nicht uneingeschränkt sicher. Immerhin 30 Prozent aller Schutzwege sind mangelhaft gesichert und wirken sich daher kontraproduktiv auf die Sicherheit von Fußgängern aus", betont Thann.

Traurige Entwicklung bei 15-jährigen Mopedlenkern
Es gab einen enormen Anstieg bei Unfällen und Verletzten und erstmals seit drei Jahren sind auch Getötete unter den jüngsten motorisierten Verkehrsteilnehmern zu verzeichnen. Bei 235 Unfällen im ersten Halbjahr 2004 - das bedeutet fast eine Verfünffachung der Unfälle gegenüber 2002 -, wurden 218 15-jährige Mopedlenker verletzt und drei getötet. Alle drei Lenker verursachten ihren Unfall selbst. Die tödlichen Unfälle passierten zwischen 22 und 23 Uhr. Für KfV-Direktor Thann sind diese Zahlen ein Indiz, dass 15jährige ihr Moped eben nicht nur für Arbeitswege benutzen, sondern hauptsächlich für Freizeitaktivitäten: "Um die traurige Entwicklung zu stoppen, schlagen wir eine praktische Ausbildung für 15-jährige Mopedlenker vor."

Jeder vierte Alko-Lenker zwischen 18 und 24 Jahren
Vor allem unter den Alko-Lenkern ist der Anteil dieser Hochrisikogruppe hoch. Entgegen dem allgemeinem Trend steigen Unfälle mit jungen Lenkern und dabei Verletzte an. Jeder vierte Alko-Lenker ist zwischen 18 und 24 Jahren und fast jedes dritte getötete Opfer bei Alkoholunfällen gehört dieser Altersgruppe an. Auch im internationalen Vergleich steht Österreich weit abgeschlagen an 11. Stelle (Getötete 18-24jährige pro 1 Mio. Einwohner).

Fast die Hälfte im Pkw nicht angeschnallt
Die Gurtenpflicht besteht zwar schon fast seit dem Jahre Schnee - genauer gesagt seit 1984 - die Anschnallmoral ist hierzulande dennoch beständig niedrig. Während innerhalb der EU eine Gurtanlegequote von 95 Prozent herrscht, dümpelt diese in Österreich bei 75 Prozent dahin. Ein Viertel der heimischen Autofahrer präsentiert sich als hartnäckige Gurtverweigerer, auf den Rücksitzen nutzt gar nur jeder zweite Erwachsene den Sicherheitsgurt. Laut der Ergebnisse des ersten Halbjahres waren knapp 50 Prozent aller Getöteten im Pkw nicht angeschnallt. Interessant ist, dass die Gruppe der jungen Gurtmuffel (15-24 Jahre) größer ist als jene der älteren: Mehr als jeder dritte der ungesicherten Getöteten im Pkw war zwischen 15 und 24 Jahren. (apa/red)

27.9.2004 10:37