Dienstag, 21. September 2004

"Tourismus-Großmacht" Tschechien: 16 Prozent mehr Besucher im ersten Halbjahr

  • EU-Beitritt und Werbespots lassen Tourismus boomen
  • PLUS: Wer besonders häufig nach Prag & Co. reist

Tschechien wird als Reiseziel für ausländische Touristen immer attraktiver. Nach jüngsten Angaben des Prager Ministeriums für Regionalentwicklung und der Agentur CzechTourism kamen im 1. Halbjahr 2004 fast 3,6 Millionen Gäste ins Land, um eine halbe Million (16 Prozent) mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Der Leiter von CzechTourism, Pavel Gladis, führt die positive Entwicklung unter anderem auf die von der Regierung initiierte TV-Werbekampagne im Ausland zurück. Mit einem Aufwand von 30 Mio. Kronen (956.541 Euro) wurden im Frühjahr Werbespots mit dem Motto "Come to slow down" bei CNN, BBC, Eurosport, Discovery und National Geographic lanciert. Auch der EU-Beitritt Tschechiens und billige Flugkarten hätten die Anzahl der ausländischen Besucher nach oben getrieben, heißt es.

Die meisten Gäste kommen aus Deutschland
Unter den Herkunftsländern der Tschechien-Touristen steht Deutschland mit 968.300 Besuchern (27 Prozent) an der Spitze. An zweiter Stelle folgen die Slowaken (391.850 Besucher, 10,9 Prozent), gefolgt von den Briten (331.950 - 9,2 Prozent), Italienern (184.900 - 5,2 Prozent), Polen (184.300 - 5,1 Prozent) und den Amerikanern (152.200 - 4,2 Prozent). Die Österreicher belegen mit 139.900 Touristen (3,9 Prozent) erst den siebenten Platz.

Neue Werbekampagne
Der Minister für Regionalentwicklung, Jiri Paroubek, dessen Ressort für den Tourismus zuständig ist, will sich in Zukunft vor allem um Gäste aus den Nachbarländern Polen und Österreich sowie um einheimische Touristen bemühen. Für Anfang 2005 plant CzechTourism eine neue Werbekampagne, mit der man die Tschechen dazu bewegen will, ihren Urlaub im Inland zu verbringen. In Polen und Österreich sollen Inserate und TV-Spots geschaltet werden.

"Touristische Weltmacht
Nach Ansicht von Paroubek hat Tschechien die Chance, zur "touristischen Weltmacht" zu werden. "Die Touristen müssen aus der Werbung erfahren, dass Prag eine kulinarische Metropole ist, in der man ausgezeichnet und preiswert essen kann", meinte der Minister, der für heuer mit einem Anstieg der Tourismuseinnahmen gegenüber dem Vorjahr um 10 bis 15 Prozent rechnet.

Steuern senken
Um der guten Entwicklung in der tschechischen Tourismuswirtschaft einen Dämpfer zu ersparen, will Justizminister Pavel Nemec, der Paroubeks Vorgänger im Amt des Ministers für Regionalentwicklung war, eine bereits beschlossene Mehrwertsteuer-Erhöhung für Beherbergungsbetriebe verhindern. Nach den derzeitigen Plänen würde die Mehrwertsteuer für Hotels ab 1. Jänner 2005 von derzeit 5 auf 19 Prozent steigen.(apa)

21.9.2004 13:42