Montag, 20. September 2004

Tourismus-Boom in neuen EU-Ländern: Studie rechnet mit enormer Touristenflut

  • Billigflieger und niedriges Preisniveau locken Touristen
  • Hindernisse: Mangelnde Hotelbetten und Vermarktung

Niedrige Preise, gute Verbindungen mit Billigfliegern und eine Fülle von Urlaubsattraktionen: Die neuen EU- Staaten im Osten werden einer Studie zufolge in den kommenden Jahren einen Boom im Tourismus verzeichnen. Ein Hindernis sind derzeit aber noch die geringe Anzahl von Hotelbetten und die mangelnde Vermarktung des Angebots im Westen.

So heißt es in einer bei einem Tourismusgipfel in Berlin vorgestellten Studie der Fachhochschule Worms. Allein die Zahl deutscher Besucher in den neuen EU-Staaten werde heuer um acht Prozent auf 6,6 Millionen wachsen.

Niedriges Preisniveau
Eine große Chance für den Tourismus ergibt sich aus dem relativ niedrigen Preisniveau, sagt Roland Conrady, Dekan des Fachbereichs Tourismus. "Kurzurlaube können bis zu 70 Prozent preiswerter sein als in den etablierten Tourismusregionen." So liege zum Beispiel in der slowakischen Hauptstadt Bratislava das Preisniveau bei 49 Prozent im Vergleich zu Frankfurt/Main, in Budapest immerhin bei 71 Prozent. Zu den besonderen Attraktionen im Osten zählt Conrady etwa unberührte Ostsee-Strände, historische Städte wie Prag oder Warschau oder auch den weiter wachsenden Gesundheitsurlaub.

Billigflieger
Während die Straßenverbindungen in die neuen EU-Länder oftmals schlecht ausgebaut sind, boomt der Luftverkehr. Mittlerweile gibt es 124 direkte Städteverbindungen zwischen Deutschland und den neuen Mitgliedsländern. Vor allem die Billigflieger legen zu, die Zahl ihrer Direkt-Verbindungen stieg vom Sommer- zum Winterflugplan von 34 auf 45, sagt Conrady. Darunter sind zum Teil auch osteuropäische Gesellschaften wie Skyeurope (Slowakei), Wizz Air (Ungarn) oder Air Polonia (Polen).

Hindernisse
Ein Hindernis könnte aber der Studie zufolge die geringe Anzahl an Hotelzimmern sein: Alle zehn neuen EU-Staaten zusammen - also einschließlich Malta und Zypern - hätten nicht einmal halb so viele Zimmer wie Italien, heißt es in der von der Tourismus-Messe ITB und dem Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft in Auftrag gegebenen Studie. Lettland zum Beispiel verfüge über die gleiche Zahl von Hotelzimmern wie Luxemburg. Kurzfristig sei das Wachstum davon aber nicht belastet, da die Auslastung in den osteuropäischen EU-Ländern nach jüngsten Zahlen nur zwischen 25 und 46 Prozent betragen habe.(apa/red)

20.9.2004 14:45