Spannender US-Wahlkampf: Ohne Frauen kann John F. Kerry nicht gewinnen
- John F. Kerry liegt bei Wählerinnen nur knapp vor Bush
- Demokraten fürchten um traditionellen Vorsprung

·Engagiert: Töchter im US-Wahlkampf
Jenna & Barbara Bush vs. Alexandra & Vanessa Kerry
·Demokraten setzen auf "Töchterpower"
Töchter von fünf Politikern bei Wahlauftritt in Florida
·Mit Ecken & Kanten:
Teresa Heinz Kerry
Verzückt US-Demokraten mit emotionaler Rede
Der US-Präsidentschaftswahlkampf tobt auch um die Stimmen der weiblichen Wähler: Obwohl die Frauen bei den letzten Wahlen immer mehrheitlich demokratisch wählten, liegt diesmal der demokratische Präsidentschaftskandidat Kerry laut Umfragen bei den Wählerinnen nur um wenige Prozentpunkte vor Amtsinhaber Präsident George W. Bush. Ein Warnsignal für die Strategen bei den Demokraten: Denn ohne großen Vorsprung bei den Frauen kann Kerry nicht gewinnen - Bush punktet nämlich bei den Männern viel stärker....
Sogar der letztlich unterlegene Demokrat Al Gore hatte bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 54 Prozent der Wählerinnen überzeugen können - George W. Bush wurde vor vier Jahren nur von 43 Prozent der Frauen gewählt. Die Zeit arbeitet diesmal in der Geschlechterfrage offenbar gegen Kerry: Laut einer Umfrage des Pew Center hatte er im August noch einen Vorsprung auf Bush bei den Wählerinnen um zehn Prozentpunkte. Mitte September war der Abstand auf fünf Prozentpunkte geschrumpft. Laut einer Gallup-Umfrage hatte Kerry im Juni sogar 15 Prozentpunkte Vorsprung bei den Frauen, liegt jetzt jedoch nur mehr vier Prozentpunkte vor Bush.
Bush punktet bei verheirateten Frauen
Lediglich bei den verheirateten Frauen liegt Bush mit elf Prozentpunkten vorne - bei verheirateten Männern hat Bush übrigens eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit. Frauen ab 45 Jahren sind zwischen Bush und Kerry gespalten. Bei den Single-Frauen würde jedoch Kerry klar gewinnen. Das Problem für die Demokraten: Gerade bei allein stehenden Frauen und Müttern ist die Wahlbeteiligung niedrig. Im Jahr 2000 waren 21 Millionen Single-Frauen gar nicht zur Wahl gegangen. Und auch bei den Schwarzen, die mit großer Mehrheit demokratisch wählen, liegt die Wahlbeteiligung weit hinter den Weißen.
John F. Kerry muss Wählerinnen mobilisieren
Nun geht es daher darum die Frauen an die Wahlurnen zu mobilisieren: "America Votes", eine demokratische Gruppierung zur Hebung der Wahlbeteiligung, versucht gezielt in 16 besonders umkämpften so genannten Swing-Staaten Wählerinnen zu registrieren. Doch die Bemühungen zur Hebung der Wählerinnen-Beteiligung werden ins Leere gehen, wenn nicht Kerry in seiner Wahlkampagne gezielter Frauen anspricht, warnen Expertinnen. So müsse er klare Lösungen für die Alltagsprobleme der Amerikanerinnen in den Bereichen Gesundheitsversorgung und Bildungssystem präsentieren.
Auch sollte sich Kerry bei seinen Auftritten wohl stärker mit Politikerinnen umgeben. Kerrys Ehefrau Teresa Heinz Kerry war von den Parteistrategen nach als teilweise peinlich empfundenen Aussagen am Rande des Wahlparteitags in Boston eher in den Hintergrund gerückt worden. First Lady Laura Bush hingegen, die sonst als schüchtern und pressescheu gegolten hat, gilt bereits als Bushs Geheimwaffe bei der Wählerinnenschaft.
Bush punktet beim Thema Sicherheit
In manchen Dingen sitzt Kerry aber zwischen den Stühlen: Während er nun nach den Angriffen der Republikaner und Vietnam-Veteranen auf seine Integrität den Ratschlägen seiner Berater gefolgt ist und selbst einen schärferen Ton anschlägt, hat dies offenbar einige Wählerinnen als zu aggressiv abgeschreckt. Und manche Meinungsforscher meinen, dass in der Ära nach 9/11 auch für Frauen das Thema Sicherheit an erster Stelle der wahlentscheidenden Argumente stehe - und da habe Bush einfach mehr Glaubwürdigkeit.
(apa/red)
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