Mittwoch, 22. September 2004

Die neue Rolle der Männer: Sind Väter die besseren Mütter? Was sagen die Frauen?

  • Immer mehr Männer wollen ihren Kindern gute Väter sein. Und die „neuen Frauen“ profitieren davon.

Die große Umfrage: Was prominente Frauen über engagierte Väter denken. Und wie wichtig Väter für Kinder wirklich sind.

Als Hans Mahr, Journalist und Noch-Infochef des deutschen Privatsenders RTL, das erste Mal als allein erziehender Vater seines damals dreijährigen Sohnes Matthias auftrat, gab es das Wort Väterkarenz vermutlich noch nicht einmal in den kühnsten Träumen von Feministinnen. „Damals, das war 1979, war ich sicher ein Vorreiter, als ich nach der Scheidung von meiner ersten Frau allein die Versorgung meines Buben übernommen habe“, erinnert sich der Medienmanager. Und auch wenn es sicher nicht immer eine einfache Zeit war – Mahr war damals bereits in verantwortungsvoller Position bei der „Kronen Zeitung“ und danach als Wahlkampfmanager für Bundeskanzler Bruno Kreisky zugange –, so denkt er trotzdem gerne an die „Männerwirtschaft“ zurück: „Ich bin noch heute stolz darauf, es wirklich geschafft zu haben!“

Väter an die Macht? Heute, ein Vierteljahrhundert später, haben sich die gesellschaftlichen Vorzeichen gründlich geändert. Männer, die mit dem Kinderwagen im Park spazieren gehen, fallen nicht mehr auf wie Aliens vor ihrer Raumkapsel. Und auch die Ansage im Kollegenkreis, lieber nachhause zu Frau und Kind zu gehen, statt bis vier Uhr früh um die Häuser zu ziehen, hat nicht mehr den sofortigen Ausschluss aus der männlichen Geschlechtergemeinschaft zur Folge.
Vergangene Woche ging in Wien sogar die erste internationale Väterkonferenz über die Bühne, die auf Initiative der „Männerpolitischen Grundsatzabteilung im Sozialministerium“ zustande gekommen ist. Und deren Leiter, der Vorarlberger Johannes Berchtold (siehe auch Interview rechts), sieht die Zeit für eine umfassende Bewusstseinsänderung punkto Nachwuchs endlich gekommen: „Wir Männer müssen uns neu definieren und verstehen, dass auch die Vaterschaft eine erfüllende Art der Karriere sein kann.“

Ob Österreichs Männer für diese Art der Karriere allerdings tatsächlich schon reif genug sind, sei dahingestellt. Fakt ist jedenfalls, dass der Kinderwunsch bei den Männern heute wesentlich stärker ausgeprägt ist als bei den Frauen und auch immer mehr Männer ihre Rolle als Vater anders auslegen möchten, als sie es bei ihren eigenen Vätern erlebt haben. Die Hauptlast der Kinderbetreuung liegt aber auch weiterhin wesentlich stärker beim „schwachen Geschlecht“:

  • Aktuell hegt nur jede vierte Österreicherin konkrete Kinderwünsche, während sich gleichzeitig aber beinahe jeder zweite Mann über Nachwuchs freuen würde. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Fessel-Instituts hervor.

  • Kommt es tatsächlich zur Fortpflanzung, so möchte immerhin ein Drittel aller Männer in der Familie präsenter sein, als es der eigene Vater seinerzeit gewesen ist.

  • Jeder zehnte Mann würde es sogar in Kauf nehmen, berufliche Abstriche zu machen, um mehr Zeit mit seinem Nachwuchs verbringen zu können – theoretisch.

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    PLUS: „Immer mehr junge Männer wollen bewusste Väter sein“

    22.9.2004 16:40