Gegen-Koffer: Die wichtigsten 50 österreichischen Bücher
- Nach dem Debakel mit dem Austrokoffer
- Die ultimative Liste der österreichischen Literatur nach 1945

Es kam, wie es kommen musste und wie wir es vorausgesehen hatten: Peter Handke gab dem austrokoffer den Rest. Seine Absage in der vorwöchigen NEWS-Ausgabe, dazu Gleichlautendes von Robert Menasse, bewogen den Ueberreuter Verlag, das Projekt zu stornieren.
Ein Hilfszug der Befürworter, in Bewegung gesetzt von den angesehenen Autoren Marie-Thérèse Kerschbaumer, Robert Schindel und Julian Schutting, kam zu spät, der Rückzug der Kronen Zeitung auch. Der Anteil Ernstzunehmender am Projekt, als dessen Väter Günther Nenning und Wolfgang Schüssel reüssieren wollten, war am Ende verschwindend.
Die NEWS-Liste. In dieser Situation entschlossen wir uns, unseren eigenen österreichischen Literaturkanon ab 1945 zu erstellen: 50 Bücher eines für jedes Jahr der Zweiten Republik , die schon Literaturgeschichte sind oder zur Hoffnung Anlass geben, dereinst nicht im riesigen Fundus der Vergänglichkeiten zu enden.
Als Autorität und freundlichen Berater baten wir Germanistik-Papst Wendelin Schmidt-Dengler ins Boot, und das war ein glückhafter Entschluss: Seit dem vorwöchigen Freitag kämpften wir befeuert um Namen und Titel. Außer Diskussion waren erstaunlich wenige.
Kampf um Torberg und Schneider. Schwer rangen wir mit dem Professor um Torbergs Tante Jolesch, ein Buch, das uns wie die letzte Spur einer erloschenen Zivilisation erscheint, und das Phänomen Schlafes Bruder: für uns ein beeindruckendes, außer aller Norm wirksames Buch, für Schmidt-Dengler ein Pseudo-Künstlerroman. Auch mit der bedeutenden Lyrikerin Christine Lavant konnten wir uns durchsetzen.
Gar nicht kamen wir mit unseren Wünschen nach Franz Tumler, Marie-Thérèse Kerschbaumer, Marlene Streeruwitz oder dem wunderlichen und doch singulären Gerechtigkeitssucher Johannes Mario Simmel durch. Schmidt-Dengler wiederum ist es um Friedrich Achleitner, Heimrad Bäcker und Bodo Hell leid. Auf Paula Grogger und Karl Heinrich Waggerl verzichteten wir dankend und einstimmig.
Liste als Provokation. Der Professor, am Ende rechtschaffen müdgekämpft: Jede Liste stellt eine Provokation dar, und man muss immer schmerzhafte Schnitte machen. So haben wir ein Mittelding zwischen Popularität und literarischer Qualität gefunden, das Ergebnis einer Diskussion, zu dem ich stehen kann. Zusatz: Wir haben keinen wichtigen Autor vergessen, aber bei einigen kann man streiten.
Die ultimative Liste der österreichischen Literatur nach 1945 finden Sie im neuen NEWS
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