Samstag, 25. September 2004

Kein Ende der Preisspirale: Ein Fass Öl kostet jetzt schon über 50 Dollar!

  • Ständig steigender Ölpreis Gefahr für Weltkonjunktur?
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Der Ölpreis hat in der Nacht zum Dienstag erstmals die psychologisch wichtige Marke von 50 Dollar durchbrochen und sich mittlerweile schon an die Marke von 50,50 Dollar herangetastet. US-Leichtöl zur Lieferung im November kletterte im frühen Handel bereits auf 50,47 Dollar pro Barrel (159 Liter).

Auch in London zog der Ölpreis nach dem erstmaligen Überschreiten der 46 Dollar-Marke am Dienstag neuerlich um 48 Cent auf 46,50 Dollar an. Damit liegt der Rohölpreis derzeit rund 75 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Die OPEC bezeichnete die Rekordölpreise als eine Gefahr für die Weltkonjunktur.

Analysten der OPEC, der Organisation Erdöl exportierender Länder, machen einen drohenden Streik in Nigeria für die jüngste Preisexplosion auf den Ölmärkten verantwortlich. Angesichts der angespannten Lage könne sich die Weltwirtschaft den Ausfall der Lieferungen aus dem fünftgrößten Öl-Förderland der Erde nicht leisten. Nigeria ist weltweit der siebtgrößte Ölexporteur.

Engergieanalyst Daniel Hynes von der ANZ Bank in Australien sieht den Hauptgrund für den Preisanstieg nach wie vor unsichere Lage in Nahost. Eine Anschlagsserie von Aufständischen im Irak und Gefechte mit mutmaßlichen Al-Kaida-Extremisten im weltweit größten Ölförderland Saudiarabien sorgen für neue Unruhe am Ölmarkt. Außerdem habe der Hurrikan "Ivan" den Weg für den jüngsten Preisanstieg geebnet, ergänzte Hynes.

Der Ölexperte Ng Weng Hoong von Energyasia.com in Singapur erklärte am Dienstag, Panik bei den Endverbrauchern ziehe die Preise zunehmend nach oben. Wegen des kommenden Winters auf der Nordhalbkugel sei mit neuen Käufen zu rechnen. "Nach dem Knacken der 50 Dollar sind nun die 60 Dollar im Visier", sagte Ng.

Saudiarabien erhöht Fördermenge
Nach dem Anstieg des Ölpreises auf über 50 US-Dollar pro Barrel hat Saudiarabien eine Steigerung der Fördermenge angekündigt. Das Land werde die Ölproduktion von 9,5 auf 11 Mio. Barrel pro Tag erhöhen, teilte das Ölministerium am Dienstag mit. Die verstärkte Förderung könne in einigen Wochen beginnen.

EU-Kommission besorgt
Die EU-Kommission ist über den Höhenflug der Ölpreise besorgt. Währungskommissar Joaquin Almunia sagte am Dienstag am Rande einer Tagung in Brüssel: "Es sind keine guten Nachrichten, falls dieses Niveau der Preise in den kommenden Monaten anhalten sollte." Es sei zu erwarten, dass Europas Volkswirtschaften darunter litten. Er hoffe, die Wachstumserwartung für die Eurozone von 2 Prozent in diesem Jahr nicht nach unten korrigieren zu müssen. Bei Vorlage des Herbstgutachtens am 26. Oktober werde er dazu Stellung nehmen.


Die Rekordölpreise sind aus Sicht der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) eine Gefahr für die Weltkonjunktur. Das hohe Preisniveau "kann eine Rezession verursachen", sagte OPEC-Präsident Purnomo Yusgiantoro am Dienstag vor Journalisten in Jakarta. Die OPEC selbst könne aber derzeit dagegen "nichts tun". Es gebe auch keine Pläne, das nächste OPEC-Treffen im Dezember wegen der Rekordpreise von nun über 50 Dollar (40,8 Euro) vorzuziehen, sagte Yusgiantoro.

Am Montag hatte Yusgiantoro betont, die OPEC könne schnell mehr Öl auf den Markt bringen. Die Reservekapazitäten lägen bis zum Ende des Jahres bei 1,5 Mio. Fass pro Tag, sagte er. Damit gebe es genug Öl, um die Nachfrage zu befriedigen. Die OPEC hatte Mitte September beschlossen, ihre Produktion von November an um 1 Mio. auf 27 Mio. Barrel pro Tag auszuweiten.

Die Ankündigung hatte aber nicht zu fallenden Preisen geführt, da mit ihr de facto nur ein Teil der Überschreitungen der Förderquoten legalisiert wird und kein zusätzliches Öl auf dem Markt kommen wird.
(apa/red)

25.9.2004 14:25