Mittwoch, 6. Oktober 2004

Fluglinie Alitalia: Gewerkschaften gaben grünes Licht für einen Sanierungsplan

  • Italienische Fluggesellschaft soll aufgespalten werden
  • Konkurs ist nach Rettungsplan vorerst abgewendet

Nach Monate langen Spannungen sieht Alitalia endlich Licht am Ende des Tunnels. Das Management der angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft einigte sich in der Nacht auf Freitag mit den Gewerkschaften über die Eckpfeiler eines Sanierungsplanes bis 2008, der einen Konkurs abwenden soll. Die Gewerkschaften stimmten den Plänen von Alitalia-Chef Giancarlo Cimoli zu, die staatlich kontrollierte Fluggesellschaft in zwei Unternehmen aufzuspalten.

Dabei solle der Flugbetrieb künftig von AZ Fly geführt und das Servicegeschäft von AZ Service geleitet werden. Der italienische Staat, der derzeit 62 Prozent der Anteile an Alitalia hält, soll mindestens 30 Prozent an AZ Fly halten und Aktien nur an institutionelle Anleger im Rahmen einer geplanten Kapitalerhöhung verkaufen, hieß es. AZ Service soll zumindest bis 2008 zu 51 Prozent von AZ Fly kontrolliert werden. Die Alitalia-Belegschaft soll noch per Referendum das Abkommen mit dem Management besiegeln.

3.700 Jobs gehen verloren - Regierung will helfen
Der italienische Ministerrat plant noch am heutigen Freitag die Verabschiedung von Sozialmaßnahmen zur Unterstützung der Alitalia-Mitarbeiter, die im Rahmen des Rettungsplans ihren Job verlieren werden. Rund 3.700 Arbeitsplätze sollen nach Cimolis Plänen wegrationalisiert werden. Das Paket mit den Sozialmaßnahmen soll per Dekret verabschiedet werden, teilte der italienische Arbeitsminister Roberto Maroni mit.

Aktien sind wieder im Aufschwung
Die Mailänder Börse reagierte am Freitag positiv auf das Ende der Verhandlungen um Alitalias Rettungsplan. Nach der Einigung zwischen Management und Gewerkschaften legten die Alitalia-Aktien am Freitagvormittag um 4,5 Prozent auf 0,295 Euro zu. Die Alitalia-Aktien waren in den vergangenen Tagen auf ein Rekordtief von 0,19 Euro gesunken.

Allianz mit italienischem Partner angestrebt
Alitalia denkt auch an eine Allianz mit einem italienischen Partner, um an Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen. Interessante Anwärter auf die Kooperation seien drei Gesellschaften, erklärte Alitalia-Präsident Giancarlo Cimoli am Donnerstag in Rom. Als sichere Kandidaten gelten bisher die Lufthansa-Partner Air One und Volare. Bei der dritten Fluggesellschaft handle es sich wahrscheinlich um Meridiana, berichteten italienische Medien.

Weiterhin Liquiditätsprobleme
Cimoli hatte am Donnerstag in einer Ansprache vor dem Senat vor den gravierenden Liquiditätsproblemen der italienischen Fluggesellschaft gewarnt. "Unsere Liquidität nähert sich dem Nullpunkt", warnte der Alitalia-Chef. Er gab zu, dass Alitalia weiterhin stark unter Druck sei. Die Resultate der ersten drei Quartale 2004 bestätigten den schwierigen Trend des Jahres 2003, als Alitalia Verluste von über 511 Mio. Euro verzeichnet hatte. (apa)

6.10.2004 15:00