Donnerstag, 23. September 2004

Für VW-Chef Bernd Pischetsrieder ist ein Konzern-Einstieg Abu Dhabis abgehakt

  • Ist das Land Niedersachsen doch ein Problem?
  • VW ortet Erholungstendenzen bei Fahrzeugverkäufen

Ein Einstieg des Emirats Abu Dhabi bei Europas größtem Autohersteller Volkswagen ist für VW-Chef Bernd Pischetsrieder vorerst keine Option mehr. "Das Thema ist vorbei", sagte Pischetsrieder am Mittwochabend anlässlich des Autosalons in Paris.

Gefragt, ob Abu Dhabi über andere Wege wie den Zukauf von Aktien über die Börse doch noch bei VW einsteigen könnte, sagte er: "Das bleibt ihnen überlassen." Ursprünglich sollte Abu Dhabi nach dem Land Niedersachsen, das gut 18 Prozent an VW hält, zweitgrößter Aktionär werden. Der geplante Einstieg war jedoch vor einer Woche am derzeit niedrigen Aktienkurs des deutschen Autobauers gescheitert.

Im aktuellen Kapitalmarktumfeld sei keine Einigung möglich gewesen, hatte der VW-Vorstand das Ende der Gespräche damals begründet. Der Wert des zur Disposition gestellten Aktienpakets war seit Aufnahme der Gespräche über den Einstieg im April um ein Fünftel auf rund 1,3 Mrd. Euro gesunken. "Unsere Aktie ist mehr wert, als unser Partner bereit war zu bieten", hatte es bei VW geheißen.

Kritiker konnten nicht widerlegt werden
Mit dem Geld wollte VW den Kauf von 50 Prozent an LeasePlan, der Flottenmanagement-Tochterfirma der niederländischen Bank ABN Amro, für rund eine Milliarde Euro finanzieren. Verhandlungen mit anderen Investoren will der Konzern, der aktuell in harten Gesprächen für einen neuen Haustarifvertrag steckt und seine Kosten drastisch reduzieren will, den Angaben zufolge vorerst nicht führen. Pischetsrieder hatte mit dem prestigeträchtigen Einstieg der Scheichs Kritiker widerlegen wollen, die die Dominanz des Landes Niedersachsen als Hindernis für ein Engagement ausländischer Investoren bei VW werten.

Positiver September
Unterdessen scheint die Absatzentwicklung bei der Stammmarke VW zuletzt wieder erfreulicher gewesen zu sein. Nach Worten von Vertriebschef Georg Flandorfer hat die Marke ihre Verkaufszahlen im September bisher steigern können. "Der September ist positiv. Die Marke VW liegt weltweit über Vorjahr", sagte Flandorfer am Abend in Paris. Er fügte hinzu, die Verkäufe lägen sowohl über dem Vorjahr "als auch über unseren Erwartungen". Im Vormonat hatte VW dagegen - wie auch viele Konkurrenten - deutliche Einbußen zu verkraften.

Stahlpreis (noch?) kein Problem
Der aktuell hohe Stahlpreis bereitet dem Autokonzern nach Angaben von Pischetsrieder derzeit keine Schwierigkeiten. "Das ist für uns kein Problem. Wir haben langfristige Verträge", sagte er. Die vor allem durch die hohe Nachfrage aus China rasant gestiegenen Stahlpreise werden in der Automobilbranche insgesamt aber zunehmend als Kostenproblem betrachtet, das sich auch negativ auf die Erträge auswirken kann. (apa)

23.9.2004 08:01