Donnerstag, 23. September 2004

Gazprom-Experte Wladimir Merkulow: Die Öl- und Gaspreise werden hoch bleiben

  • "Die billigen Zeiten sind vergangen, für immer"
  • Bedeutung von Erdgas wird steigen - Öl abnehmen

"Die Ölpreise werden auf hohem Niveau bleiben, die Gaspreise werden diesen folgen. Die Welt wird sich darauf einstellen müssen", sagte der russische Energieexperte Wladimir Merkulow, Leiter der Export- und Preisabteilung von Gazexport, einer Tochter des russischen Öl- und Gaskonzerns Gazprom, am Mittwoch beim Internationalen Gaskongress in Wien.

"Die billigen Zeiten sind vergangen, für immer", so Merkulow. Die erste Ölkrise 1973 sei noch ein Schock gewesen, jetzt seien Preiserhöhungen "ziemlich normal", meinte der Energieexperte auf Journalistenfragen. Die Verbraucher werden sich auf die hohen Preise ähnlich wie nach dem ersten Ölpreisschock in den 70er Jahren durch effizienterem Umgang mit Energie darauf einstellen. Als wesentlicher Grund für die hohen Öl- und Gaspreise nannte der Gazprom-Vertreter die hohen Produktionskosten - z.B. für Nordseeöl. Man dürfe auch nicht vergessen, dass es sich bei beiden Energiearten um "endliche" Güter handle, so Merkulow.

System der europäischen Energiesicherheit gefährdet
Der laufende Liberalisierungsprozess am europäischen Gasmarkt erhöhe die Instabilität des Marktes und trage zur Intensivierung des Wettbewerbes bei, was insgesamt gesehen die Bedingungen für die Gasversorger verkompliziere. Der angestrebte höhere Anteil von Gas in Europa verlange aber einen stabilen Gasmarkt. Die Verschiebung fast der gesamten Risiken auf die Gasproduzenten und Gasimporteure würde diese Ziel aber unerreichbar machen und das gesamte System der europäischen Energiesicherheit ernsthaft gefährden, warnte Merkulow.

Langfristige Verträge
Um die Verlässlichkeit der Gasversorgung zu gewährleisten, seien wie bisher langfristige "take or pay"-Verträge notwendig, nicht zuletzt, da die Investitionen im Gassektor extrem kapitalintensiv und ebenfalls sehr langfristig ausgerichtet seien. Der Großteil der russischen Gasexporte geht nach Europa und ist mit langfristigen Verträgen von bis zu 25 und mehr Jahren abgesichert. Derzeit würden langfristige Lieferverträge für Europa 2 Billionen Kubikmeter umfassen. Das entspreche 7 Prozent der Gasprom-Reserven von 28,4 Billionen Kubikmeter und 25 Prozent des europäischen Bedarfes.

Erdgasmangel steht bevor
Die Bedeutung des Erdgases werde in Zukunft weiter steigen, jener von Öl dagegen abnehmen. Der steigende Gasbedarf dürfte in den nächsten fünf bis sieben Jahren sogar zu einem Mangel an Erdgas führen. 80 Prozent der russischen Erdgasreserven lagern in den westsibirischen Gasfeldern. 2004 wird das Exportvolumen nach Europa über 140 (2003: 133) Mrd. Kubikmeter ausmachen. 2003 gingen 94,4 Mrd. Kubikmeter nach Westeuropa, das meiste Erdgas ging nach Deutschland und Italien (rund 30 bzw. 20 Mrd. Kubikmeter), rund 6 Mrd. Kubikmeter gingen nach Österreich. 2004 sollen es 6,1 Mrd. Kubikmeter sein. (apa)

23.9.2004 07:52