Mittwoch, 22. September 2004

Personal-Abbau bei der Post: Bis 2007 sollen 2.000 Mitarbeiter abgebaut werden

  • Es könnten aber auch rund 5.000 werden
  • "Wenn der Markt einbricht, müssen wir reagieren"

Hiobsbotschaft für alle Post-Mitarbeiter. Das Unternehmen will bis 2007 mindestens 2.000 Vollzeitkräfte abbauen. Der Mitarbeiterstand soll von 25.475 auf 23.000 sinken. Post-Generaldirektor Anton Wais wollte sich darauf allerdings nicht festlegen. Es gehe zwar "in Richtung mehr als 20.000 Mitarbeiter". Genaueres lasse sich aber nicht vorsehen. "Wenn der Markt einbricht und unser Umsatz von 1,5 auf 1,2 Mrd. Euro sinkt, werden wir reagieren müssen", so Wais am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Ein Teilverkauf der Österreichischen Post AG ist offenbar nach wie vor nicht vom Tisch. Während der ÖIAG-Aufsichtsrat vergangenen Freitag noch erklärt hatte, dass es bei der Post bis 2007 keinen strategischen Partner geben werde, wollte Post-Generaldirektor Anton Wais am Mittwoch einen Teilverkauf für den Zeitraum bis 2007 nicht ausschließen. "Das kann man so nicht sagen", meinte Wais auf eine Journalistenfrage im Klub der Wirtschaftsjournalisten.

Im ersten Halbjahr hat die Post bereits 1.747 Mitarbeiter abgebaut, seit 1999 waren es fast 7.000. Eingespart wurde vor allem in der Zustellung und am Schalter. Die Zahl der Zustellbasen, von denen die Post verteilt wird, ist von ursprünglich 1.880 auf 450 Postämter konzentriert worden - ein Prozess der laut Wais mittlerweile abgeschlossen worden ist und den Personalbedarf bei der Post um rund 2.000 Vollzeitarbeitskräfte reduziert hat. Die Zahl der Postämter ist vor zwei Jahren von 2.300 auf 1.600 reduziert worden. Im Vorjahr sind still und heimlich noch einmal 50 Filialen geschlossen und durch so genannte Postpartner ersetzt worden - Greißler oder Supermärkte, die die Postagenden übernommen haben. Heuer sollen noch einmal fünf bis sechs Postämter geschlossen werden.

Wo jetzt aber noch einmal 2.000 Vollzeitarbeitskräfte abgebaut werden sollen, ist noch nicht ganz klar. Post-Generaldirektor Wais spricht von einer rechnerischen Größe, die vor allem durch eine noch stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeit und der Entlohnung entreicht werden soll. Schon jetzt gelten allerdings bei der Post eine 40-Stundenwoche und Durchrechnungszeiten von bis zu 17 Wochen für Zeitausgleich.

Rund 500 Mitarbeiter, meint man in der Post, könnten durch die Ausgliederung des Lkw-Transports an Logistikunternehmen eingespart werden. Trennen wird sich die Post auch von ihrer 60 Prozent-Beteiligung an der Postversicherung, das ist laut Wais definitiv beschlossen, der Verkaufsprozess (voraussichtlich an die BAWAG/P.S.K.) ist bereits eingeleitet. Die Postversicherung hat aber nur 15 Mitarbeiter. Außerdem würde sich Wais auch gerne von der Zeitungszustellung zurückziehen. Die Universaldienstverordnung lasse dies aber nicht zu, klagt der Post-Generaldirektor, der sich für eine generelle Neuordnung des Postgesetzes und die Vergabe von neuen Post-Lizenzen nach ungarischem Vorbild ausspricht.

Der tatsächliche Personalabbau spielt bei der Post derzeit vor allem bei den Vertragsbediensteten ab. Bis zum Vorjahr hat das Unternehmen noch vom so genannten "Lehrermodell" profitieren. Dieses Modell, bei dem Post-Beamte mit beiderseitigem Einverständnis, Abfertigung und Pensionsabschlägen in Frühpension geschickt werden konnten, ist bei der Post mit Dezember ausgelaufen. Laut Wais sind aber noch immer mehr als die Hälfte aller Postmitarbeiter Beamte und rund 8.000 davon im Alter zwischen 35 und 45 Jahren.

Vor 1999 hatte es bei der Post für die Beamten Sozialmodelle gegeben, nach dem diese die Mitarbeiter bis zum Pensionsantritt mit 80 Prozent des Gehalts nach Hause geschickt hat. Ein Wiederaufleben dieses Modells wäre für die Post heute allerdings kaum mehr wirtschaftlich.
(apa/red)

22.9.2004 13:46