Montag, 20. September 2004

Neue Studie: Österreicher geben mehr für Mobilität als für Kinder und Bildung aus

  • Zuerst der Verkehr, dann die Kinder, dann die Bildung
  • Ungleichgewicht durch öffentliche Investitionen

Zuerst kommt der Verkehr, dann die Kinder und dann die Bildung. Zumindest wenn es um die privaten Ausgaben der Österreicher geht. Dies wurde in einer Vergleichsstudie am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Graz erhoben. Im Schnitt sind die monatlichen Verkehrsausgaben für 15 Prozent der Konsumausgaben verantwortlich. Sie liegen mit österreichweit 13,5 Mrd. Euro im Jahr um rund ein Drittel höher als die für Kinder bis 18 Jahre getätigten privaten Ausgaben von insgesamt 10,2 Mrd. Euro. Die Bildung fällt mit 0,2 Mrd. Euro kaum ins Gewicht.

"Während in den 1960er Jahren noch 50 Autos auf 1.000 Einwohner kamen, sind es jetzt über 500", so der Grazer Volkswirt Karl Steininger und die Umweltsystemwissenschafterin Birgit Friedl. Sie haben untersucht, wie sich dieser Umstand auf die Situation in die Brieftaschen der Österreicher auswirkt. Dabei hat der Grazer Wissenschafter gleich eine erstaunliche Feststellung gemacht: "Direkt befragt, unterschätzen die Österreicher ihre Ausgaben für Pkw wie für Kinder deutlich". Für die aktuelle Studie hat das Grazer Team daher Daten der letzten Konsumentenerhebung (2000) mit den Daten der jüngsten Mobilitätserhebung (1999) zusammengeführt.

Die Pkw-Ausgaben steigen durch Kinder jedenfalls: Bei Alleinerziehenden steigen die variablen Pkw-Ausgaben (Treibstoff, Parkgebühren etc.) je Kind um etwa 14 Euro im Monat. "Bei Paaren betragen die durch Kinder verursachten Mehrausgaben für das Auto 30 Euro pro Monat und sind praktisch unabhängig von der Zahl der Kinder", so Friedl. Korrelationen gibt es aber auch mit der Höhe des Einkommens und der monatlichen Fahrleistung: Bei einem Monatseinkommen bis zu 1.478 Euro netto monatlich betrage sie rund 20 Kilometer pro Tag, in Familien mit mehr als 3.500 Euro monatlich steigen sie auf rund 90 km täglich an. Gegengleich die Ausgaben für den öffentlichen Verkehr: Sie sinken besser Verdienenden von 1,1 auf 0,4 Prozent des Einkommens ab.

Das Ungleichgewicht in den privaten Ausgaben sieht Steininger auf die öffentlichen Investitionen im Bereich Verkehr, Kinder und Bildung prolongiert: "Die Allgemeinheit unterstützt den Straßenverkehr - zusätzlich zu den privaten Verkehrsausgaben - mit jährlich rund 10 Mrd. Euro, die Bildungsausgaben mit 12 Mrd. Euro". Insgesamt überstiegen aber die Ausgaben für den Straßenverkehr von staatlicher und privater Seite jene für Kinder und Bildung von staatlich und privater Seite bei weitem, so der Volkswirt.

20.9.2004 12:21