Freitag, 24. September 2004

Reichweiten des TV-Fußballs im Keller: Hat
sich Bundesliga ein Eigentor geschossen?

  • Krone steigt aus: Kettenreaktion unter Sponsoren droht
  • FORMAT: T-Mobile will bei ATVplus auf den Putz hauen!

Droht der Fußball-Bundesliga schon bald eine Sponsor-Flucht? Die mäßige Qualität und die schwachen Quoten der ATVplus Fußballshow "Volltreffer" befördern die heimischen Profi-Klubs in eine Misere. Aufgrund der geringen Reichweiten der TV-Bilder regen sich bei so manchem Gedlgeber schon Bedenken hinsichtlich des finanziellen Engagements für die Vereine. Die "Kronen Zeitung" könnte mit ihrer Ankündigung, den zu Jahresende auslaufenden Vertrag mit Rapid Wien nicht verlängern zu wollen, einen Stein ins Rollen bringen, der womöglich den Ausstieg weiterer Sponsoren aus dem Fußball zur Folge hätte.

Als einer der größten Fußballsponsoren des Landes (Rapid, Salzburg und Sturm) findet sich die "Krone" nicht damit ab, dass die Reichweiten der Fußballübertragungen nach dem Wechsel der TV-Rechte vom ORF zum Privatsender ATVplus und zum Pay-TV-Kanal Premiere deutlich gesunken sind.

Rapid-Präsident und Exfinanzminister Rudolf Edlinger, der sich besonders für den Premiere-Deal in die Bresche geschmissen hat, versucht zu kalmieren: "Die Reichweiten sind für die Krone' nur ein Vorschubargument, ihr Engagement zurückzuschrauben. Das Sponsoring ist dort wegen der internen Reibereien unter Beschuss geraten. Außer der Krone' kenne ich keinen Sponsor, der unzufrieden ist."

Bei den Sponsoren brodelt es
Aber auch andere Unternehmen beobachten die Entwicklung mit wachsender Sorge. "Es ist logisch, dass wir für unser Geld eine Gegenleistung wollen", hält Ottakringer-Chef Siegfried Menz fest, der Rapid jährlich immerhin mit knapp 300.000 Euro unterstützt und auch als Sponsor des SV Mattersburg mitmischt. Markus Oberhamberger, Chefvermarkter des Salzburg-Sponsors Stiegl-Bier, ist ebenfalls bereits gespannt, "wie unsere Partner Reichweitenverluste durch zusätzliche Leistungen kompensieren wollen".

Nicht nur bei den Brauereien, auch beim Bundesliga-Hauptsponsor T-Mobile (Gesamtvolumen: 3,5 Mio. Euro) gärt es. Boss Georg Pölzl und der neue Marketingchef Georg Mündl halten sich mit öffentlicher Kritik - noch - zurück. T-Mobile war über die Alternative zum ORF froh und will die Lösung mit Premiere nicht zu Fall bringen. Intern ist die Misere aber sehr wohl ein heißes Thema. Wie FORMAT in Erfahrung bringen konnte, will T-Mobile bei ATV+ jetzt ordentlich auf den Putz hauen, weil die Fußballsendungen nicht professionell genug seien.

Für Rapid & Co. steht viel am Spiel
Für die Vereine geht es um viel Geld, wenn die Sponsoren unruhig werden. Rapid kassiert pro Jahr an die sieben Millionen Euro von der Wirtschaft, die übrigen Bundesligisten zwischen einer und 2,5 Millionen. Nur Austria Wien spielt mit den 20 Millionen von Frank Stronach in einer eigenen Liga.

drei Jahre zahlen ATVplus und Premiere 42 Millionen Euro für die TV-Rechte. Der ORF bot maximal 9,5 Millionen pro Jahr. Doch die Skepsis steigt. Die Bundesliga könnte sich ein Eigentor geschossen haben. "Ich will mich nicht einmischen", sagt ÖFB-Präsident Friedrich Stickler, "habe aber schon den Eindruck, dass die Vereine kurzsichtig aufs schnelle Geld geschaut haben. Wenn sich die Situation nicht ändert, kann das ein Blutbad geben."

24.9.2004 12:45