Donnerstag, 23. September 2004

Totgesagte leben länger: Rusedski nach Dopingvorwürfen auf dem Vormarsch

  • Nach Freispruch fühlt er sich jetzt endlich wieder fit

Vor fast genau einem Jahr begannen schwere Zeiten für Greg Rusedski. Der gebürtige Kanadier, der seit 1995 britischer Staatsbürger ist, wurde des Nandrolon-Missbrauchs beschuldigt. "Beim Daviscup gegen Marokko erhielt ich vor meinem Match einen netten Telefonanruf", erinnert sich der mittlerweile 31-jährige Rusedski zurück. Inhalt des Telefonats: Auch die B-Probe eines im Juli 2003 vorgenommenen Urintests in Indianapolis war positiv. Für Rusedski begann eine schwere Zeit, die erst am 10. März dieses Jahres vorbei war: Trotz des Befunds wurde Rusedski wie schon andere vor ihm freigesprochen.

Rusedski hatte eine zweijährige Sperre gedroht, die wohl gleichbedeutend mit dem Karriere-Ende des Mannes mit dem auffälligen Grinsen gewesen wäre. Das Schiedsgericht sah es in der Folge als erwiesen an, dass der Fall Rusedski nur die Spitze eines Eisberges war: Die ATP hatte unwissentlich über ihre Physiotherapeuten unter anderem dem US-Open-Finalisten von 1997 kontaminierte Nahrungsergänzungsmittel verabreicht. Über 40 Fälle erhöhter Nandrolon-Werte waren bekannt geworden, die ATP hatte lange Zeit den Mantel des Schweigens darüber gebreitet.

"Ich habe viel aus dieser Situation gelernt", erinnert sich Rusedski. Der 14-fache Turniersieger hatte wegen der psychischen Belastung die letzten drei Monate 2003 pausiert und auch bei seiner Rückkehr lange Zeit schwache Leistungen gebracht. Erst mit dem Viertelfinale in Nottingham und dem Finale in Newport (beides Rasen) ließ er seine frühere Klasse wieder aufblitzen. "Es war ein Kampf, wieder den Anschluss zu finden. Die ATP hat mir dabei keine Unterstützung gegeben. Aber viele Leute in Großbritannien haben mir geglaubt und an mich geglaubt", sagte Rusedski.

Und so bedeutete es ihm auch viel, in Pörtschach zum Einsatz zu kommen und mithelfen zu können, das britische Team wieder in die Weltgruppe zu bringen. "Jeremy (Bates) und ich haben uns am Donnerstag zusammen gesetzt. Ich habe ihm gesagt, dass ich fit bin und ich mich schon seit zwei Jahren nicht so gut gefühlt habe. Ich bin froh, dass er mich aufgestellt hat." Die unangenehme Doping-Geschichte ist Vergangenheit. "Dass habe ich jetzt komplett abgehakt." (apa/red)

23.9.2004 14:55