Samstag, 25. September 2004

Israel übt Vergeltung im Gaza-Streifen: 35 Häuser in Flüchtlingslager zerstört

  • Reaktion auf Beschuss einer jüdischen Siedlung

Als Reaktion auf den Granatbeschuss einer jüdischen Siedlung im Gazastreifen hat die israelische Armee am Samstag 35 Häuser im Flüchtlingslager Khan Yunis zerstört. Die Offensive am frühen Morgen wurde von einem Luftangriff eingeleitet, bei dem ein 55-jähriger Palästinenser getötet wurde. Fünf weitere Menschen erlitten Verletzungen, teilten Augenzeugen mit.

Khan Yunis liegt in der Nähe der Siedlung Neve Dekalim, die am Freitag von militanten Palästinensern mit Mörsergranaten beschossen worden war. Es war das erste Mal, das es bei einem derartigen Angriff in Gaza ein Todesopfer gab: Die Extremisten töteten eine 24 Jahre alte Siedlerin mit israelischer und amerikanischer Staatsbürgerschaft.

Die israelischen Streitkräfte schossen um kurz nach Mitternacht von einem Hubschrauber aus zwei Raketen auf eine Gruppe Palästinenser in Khan Yunis. Militärangaben zufolge wollten die Männer gerade eine Granate abfeuern. Dagegen verlautete von palästinensischer Seite, die israelischen Raketen hätten Passanten getroffen.

Später rückten Soldaten mit 14 Panzern und drei Planierraupen in das Flüchtlingslager ein, wo sie von dutzenden Palästinensern beschossen wurden. Mitarbeiter der Verwaltung sagten zunächst, es seien 20 Häuser zerstört worden, die Neve Dekalim am nächsten lägen. Ein UN-Sprecher gab die Zahl der niedergerissenen Gebäude später mit 35 an.

Seit Beginn der Zweiten Intifada vor vier Jahren wurden bei ähnlichen Aktionen tausende Palästinenser obdachlos gemacht. Die Gewalt beider Seiten hat vor dem geplanten israelischen Abzug zugenommen. Die radikalen palästinensischen Gruppen wollen einen Rückzug als israelische Niederlage unter Feuer darstellen, während die israelischen Streitkräfte die militanten Organisationen zu zerschlagen versuchen.

(apa)

25.9.2004 17:00