Eurofighter sorgt wieder für Aufregung: Kampfflugzeug angeblich flugunfähig!
- Piloten sehen oft "Lichterbaum von Warnlämpchen"
- SP-Kräuter: "Für mich ist Platter baldiger Ex-Minister"
Wieder Aufregung um den Eurofighter! Das Kampfflugzeug soll nach einem Medienbericht mit erheblichen Kinderkrankheiten zu kämpfen haben und praktisch flugunfähig sein. Sechs Ende April an das deutsche Luftwaffengeschwader in Laage bei Rostock ausgelieferte zweisitzige Trainingsmaschinen seien zusammen nur knapp 130 Stunden in der Luft gewesen. Rechnerisch sei jedes Flugzeug pro Woche bestenfalls eine Stunde geflogen.
Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums nannte einen dementsprechenden Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins "Spiegel" "leicht irreführend". Das Flugzeug sei derzeit in der Truppenerprobung. Dabei stünden Sicherheit und Sorgfalt im Vordergrund. "Die Luftwaffenführung hat großes Vertrauen in das System", sagte der Sprecher.
Dem "Spiegel" zufolge müssen manche Teile des Eurofighters früher ausgetauscht werden als erwartet. Auch das automatische Prüfsystem, das beim Anlassen sämtliche Geräte kontrolliert, scheine ebenfalls Probleme zu haben. Bisweilen leuchte vor den Piloten ein Lichterbaum von Warnlämpchen auf. Die bereits mehrfach verzögerte und zuletzt für den Spätherbst angekündigte Pilotenausbildung sei auf das Frühjahr 2005 verschoben worden.
Deutschland will insgesamt 180 Eurofighter mit einem Auftragsvolumen von etwa 18 Milliarden Euro abnehmen. Am Bau des europäischen Kampfflugzeugs sind federführend der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, die britische Bae Systems und die italienische Alenia beteiligt.
Das österreichische Bundesheer plant den Kauf von 18 Eurofightern, die ab 2007 in Dienst gestellt werden sollen.
SP-Kräuter kritisiert Regierung
Mit Kritik an der Regierung reagierte SPÖ-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter auf den Bericht. Es werde nun immer deutlicher, dass die österreichische Bundesregierung "ein technisch überzüchtetes und völlig untaugliches Glumpert zu einem horrenden Preis gekauft hat" - und weiter: "Man möchte fast geneigt sein, die Diktion (Jörg) Haiders aufzugreifen und (Bundeskanzler Wolfgang) Schüssel, (Finanzminister Karl-Heinz) Grasser, (Wirtschaftsminister Martin) Bartenstein und (Verteidigungsminister Günther) Platter als Hornochsen bezeichnen."
Für Kräuter hat nun vorerst der Verteidigungsminister Konsequenzen zu ziehen: "Für mich ist Platter ein baldiger Ex-Minister". Ein Verteidigungsminister, der die Beschaffung von teuersten aber fluguntauglichen Kampfflugzeugen monatelang als "sauber, korrekt und rechtlich einwandfrei" bezeichnet habe, sei untragbar - "selbst in einem Land der verfallenen politischen Sitten wie Österreich", so der SP-Abgeordnete in einer Aussendung.
ÖVP weist Kräuter-Aussagen zurück
Als "absolut lächerlich und äußerst bedenklich" bezeichnet ÖVP-Wehrsprecher Walter Murauer die Aussagen von Kräuter in Sachen Eurofighter. Auch diesmal habe sich gezeigt, dass die SPÖ lieber den Weg des unverantwortlichen und niveaulosen Populismus geht, obwohl der gerade beim Thema Sicherheit mehr als unangebracht sei. Murauer wies darauf hin, dass das deutsche Verteidigungsministerium die von Kräuter angesprochene "Spiegel"-Meldung bereits als irreführend zurückgewiesen habe.
(apa/red)
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