Mittwoch, 22. September 2004

Außerehelich schwanger: Junge Frau in der Türkei von eigener Familie getötet

  • Erneut mutmaßlicher "Ehrenmord" an Grenze zu Syrien
  • Ihr 16-jähriger Neffe soll die Frau erschossen haben

Unfassbar! Eine schwangere Frau ist in der Türkei Presseberichten zufolge von der eigenen Familie getötet worden. Die 22-jährige Gülseren Artuk aus dem südosttürkischen Ceylanpinar an der Grenze zu Syrien wurde außerehelich schwanger und verstieß damit gegen die "Familienehre". Laut polizeilichen Erkenntnissen wurde sie von ihrem 16-jährigen Neffen mit drei Pistolenschüssen getötet.

Der mutmaßliche Täter habe sich der Polizei gestellt und den "Ehrenmord" auf sich genommen; er wurde zusammen mit drei Brüdern des Opfers festgenommen. Den Berichten zufolge hat die Polizei den Verdacht, dass nicht der 16-Jährige der Täter war, sondern einer der Brüder.

Die Familie habe den Tod der unverheirateten Gülseren beschlossen, weil sie ein Kind erwartete, berichtete die Zeitung "Hürriyet". Ärzte hätten bei der Autopsie der Leiche festgestellt, dass die junge Frau im fünften Monat schwanger war. Besonders in ländlichen Gegenden der Türkei werden nach wie vor Frauen von ihrer eigenen Sippe umgebracht, um die "Familienehre" wiederherzustellen. Bisher können "Ehrenmörder" vor Gericht sogar mit Strafnachlässen rechnen. Dies soll sich durch eine Gesetzesänderung im Rahmen der Strafrechtsreform ändern, deren Verabschiedung jedoch vergangene Woche im türkischen Parlament scheiterte.
(apa/red)

22.9.2004 13:30