Dienstag, 21. September 2004

Rom diskutiert über Numerus Clausus für Immigrantenkinder in Schulen

  • Schulbehörden unter Druck: Bis zu einem Drittel der Kinder in den Klassen sind Ausländer

In Italien ist eine heftige Diskussion um den Vorschlag einiger Direktoren norditalienischer Schulen entbrannt, den Numerus Clausus für ausländische Kinder in italienischen Schulen einzuführen. Vor allem in Rom, Mailand und Turin, wo der Prozentsatz an ausländischen Schülern in den letzten Jahren rasant zugenommen hat, drängen die Schulbehörden auf eine Beschränkung der Zahl von Immigrantenkindern pro Klasse.

In einigen Volksschulklassen in der Lombardei seien bis zu einem Drittel der Schulkinder Ausländer, was die Arbeit der Lehrer stark belaste, hieß es.

Die rechtspopulistische Regierungspartei Lega Nord unterstützt die Forderung der Schuldirektoren. Die Zahl der ausländischen Schüler in Italien sei auf 320.000 gestiegen und werde sich in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich verdoppeln. Die Mehrheit der Ausländer in den italienischen Klassen stellen Albaner, Marokkaner, Rumänen und Chinesen. In einer Klasse in der industriereichen lombardischen Stadt Brescia sind die Hälfte der Kinder Ausländer. "Man muss unbedingt eine Höchstzahl von Immigrantenkindern pro Klasse festsetzen. Die Identität des italienischen Schulwesens steht auf dem Spiel", meinten Vertreter der Lega Nord.

"Am schwierigsten ist die Lage in Mailand. Vor allem in den Vororten sind über 30 Prozent der Schüler Immigrantenkinder. Viele kommen in die Schule und können kein Wort Italienisch. Wir tun unser Bestes, um sie zu integrieren, wir bräuchten aber extra ausgebildetes Personal, was sich die italienische Schule auch wegen des strengen Sparprogramms der italienischen Regierung in dieser Phase nicht leisten kann", betonte der Leiter des Mailänder Schulamtes, Antonio Zenga, nach Angaben italienischer Medien. Die Gefahr sei, dass immer mehr italienische Kinder in Privatschulen eingeschrieben werden.

Mit dem Problem der hohen Immigrantenzahl in den italienischen Schulen will sich Bildungsministerin Letizia Moratti in den kommenden Wochen verstärkt auseinander setzen. Die Ministerin richtete dieser Tage ein Komitee ein, das Lösungen zur besseren Integration der Ausländer im italienischen Schulwesen vorschlagen soll.

Gegen den Numerus Clausus für ausländische Kinder in den Schulen sprach sich am Montag Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi. Die Schule spiele eine wesentliche Rolle bei der Förderung des Dialogs zwischen den Kulturen, da sie für die Integration der Immigrantenkinder in Italien zuständig sei. "Dem öffentlichen Schulsystem steht eine große Herausforderung bevor: Die Kinder der ausländischen Gastarbeiter zu integrieren, die dank der Bildung für sich und ihre Familien ein sicheres Fundament für ihr Leben in Italien aufbauen wollen", meinte Ciampi. (apa)

21.9.2004 10:32