Montag, 20. September 2004

Tropensturm "Jeanne" nimmt Kurs auf USA: Evakuierungen in Florida erwogen

  • Verheerende Bilanz in Haiti: Über 2.000 Todesopfer?
  • PLUS: Die BILDER der schrecklichen Verwüstungen

Der von drei Wirbelstürmen innerhalb eines Monats heimgesuchte Südosten der USA ist nun auch von dem verheerenden Tropensturm "Jeanne" sowie einem Ausläufer von Ex-Hurrikan "Ivan" bedroht. "Jeanne" könnte am Wochenende an der dicht besiedelten Ostküste von Florida an Land treffen, sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzes am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP in Miami. Unterdessen nahmen die Notlage und Verzweiflung der von "Jeanne" in Haiti heimgesuchten Menschen immer mehr zu. Da auch Tage nach Durchzug des Sturms noch immer weite Teile unter Wasser standen, gelangte dringend benötigte Hilfe nicht zu den tausenden Opfern.

Der Sprecher des Katastrophenschutzes in Miami, John Kuczwanski, sagte, "Jeanne" könnte am Wochenende nördlich von West Palm Beach in Florida eintreffen. Sorge bereite den Behörden die Gefahr von Überschwemmungen auf den durch die Hurrikans "Frances" und "Ivan" getränkten Böden. Im Bezirk Palm Beach bereiteten sich die Behörden auf eine Evakuierung vor. "Jeanne" bewegte sich nach Angaben des US-Hurrikanzentrums von Miami mit Windgeschwindigkeiten von 165 Stundenkilometern und einer Schnelligkeit von 13 Stundenkilometern auf die Bahamas zu. Am Freitag könnte sich der Sturm in einen Hurrikan verwandeln.

Nach Angaben des Hurrikan-Zentrums dürfte ein Ausläufer des inzwischen zum Tropensturm abgeschwächten Ex-Hurrikans "Ivan" voraussichtlich ab Freitag mit schweren Regenfällen die US-Bundesstaaten Louisiana und Texas heimsuchen. Für die Region zwischen Morgan City in Louisiana und San Luis Pass in Texas galt am Donnerstag bereits Sturmwarnung. "Ivan" hatte in der Karibik und den USA über hundert Menschen in den Tod gerissen.

Weite Teile der von "Jeanne" verwüsteten Regionen in Haiti waren für Hilfslieferungen weiter unzugänglich. In der besonders schwer betroffenen Stadt Gonaives standen fünf Tage nach dem Durchzug des Sturms noch immer ganze Viertel unter Wasser, darunter der Flughafen. Flugzeuge mit Hilfsgütern unter anderem aus Kanada, Frankreich, Brasilien oder Venezuela mussten zunächst in der Hauptstadt Port-au-Prince landen, bevor die Hilfslieferungen mit Hubschraubern oder Lastwagen zu den Opfern gebracht werden kann. Die UN-Mission für Haiti verstärkte die Hilfsflüge mit ihren 20 Helikoptern. Eine Frachtmaschine mit 40 Tonnen Hilfsgütern aus Frankreich wurde am Freitag in Port-au-Prince erwartet.

Hilfsorganisationen fürchteten Plünderungen und Aufstände sowie den Ausbruch von Seuchen wie Cholera in der Katastrophenregion. "70 Tonnen Hilfsmittel sind nicht genug für all diese Opfer", klagte Rot-Kreuz-Helfer Hans Havic. Die Menschen seien in einer verzweifelten Lage und hätten weder sauberes Wasser noch Nahrungsmittel. "Die Verzweiflung führt zu Spannungen." Regierungschef Gérard Latortue warnte im französischen Fernsehen vor einer "schrecklichen Epidemie". Die Leichen wurden deshalb in Massengräbern beerdigt, meist ohne Identifizierung durch Angehörige.

Die Zahl der Toten stieg in Haiti auf mindestens 1.147, 1.250 Menschen wurden am Donnerstag noch vermisst. Allein in Gonaïves kamen mehr als tausend Menschen ums Leben. Ein Vertreter des Zivilschutzes rechnete mit über 2.000 Todesopfern. Knapp 300.000 Menschen wurden in Haiti durch die Fluten obdachlos. In der Dominikanischen Republik starben mindestens 27 Menschen.

(apa/red)

20.9.2004 07:53