Nach Granaten-Explosion in Wien: Staats- anwaltschaft hält an Mordverdacht fest
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Im Fall der Granatenexplosion, die am vergangenen Montag auf der Wiener Höhenstraße eine 39-jährige Frau das Leben gekostet hat, arbeitet die Justiz mit Hochdruck daran, Licht in die mysteriöse Geschichte zu bringen. Für die Staatsanwaltschaft ist der 38-jährige Niederösterreicher, bei dem die Frau als Sekretärin beschäftigt war, nach wie vor Zentrum der Ermittlungen. "Wir gehen von dringendem Mordverdacht aus", hieß es dazu bei der Anklagebehörde am Montag.
Über den Mann war am Wochenende formell wegen des Ansammelns vom Kampfmitteln die U-Haft verhängt worden. Die gerichtliche Voruntersuchung laufe darüber hinaus aber in Richtung Mord und Verstoß gegen das Kriegsmaterialgesetz, betonte der zuständige Staatsanwalt Gerhard Jarosch gegenüber der APA. Um zu klären, ob der 38-Jährige die Frau in eine - möglicherweise selbst gebastelte - Sprengfalle tappen hat lassen, wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft bereits ein Sachverständiger fürs Sprengmittelwesen beigezogen. Außerdem soll noch in dieser Woche eine Tatrekonstruktion auf jenem Parkplatz stattfinden, wo die Handgranate detoniert war, als die Frau diese und andere Waffen und Kriegsmaterial aus dem Kofferraum ausladen wollte.
Verdächtiger bestreitet Mordabsicht
Ihr Chef soll in seiner stundenlangen Einvernahme vor U-Richter Martin Bodner zugegeben haben, ihr den Auftrag gegeben zu haben, ihm dabei behilflich zu sein. Ehe er selbst anpacken konnte, habe er aber in der Nähe ein "Geräusch" vernommen und nachschauen wollen. In diesem Moment habe es schon gekracht.
"Noch ist völlig unklar, wo die Waffen her sind. Der Verdächtige liefert dazu widersprüchliche Angaben. Es besteht der Verdacht, dass er sie selbst besorgt hat", verlautete dazu seitens der Staatsanwaltschaft. Der Niederösterreicher hatte in den neunziger Jahren Hilfslieferungen ins ehemalige Jugoslawien organisiert. Er könnte dabei Kontakte zu Waffenschiebern geknüpft und später versucht haben, selbst ins Geschäft zu kommen.
Möglicherweise wurde ihm die Sache dann aber zu "heiß", worauf er sein Waffenarsenal - allein in dem Auto befanden sich zum Zeitpunkt der Explosion vier Pistolen, eine Kalaschnikow AK 47 mit Schalldämpfer, ein Maschinengewehr der Marke "Skorpion", ein Gewehrlauf, ein Schalldämpfer, 20 Magazine für AK 47 mit Patronen, weitere leere Magazine sowie sechs Handgranaten - los werden wollte.
An zwei Handgranaten fehlte Splint
Herbert Eichenseder, der Verteidiger des unter Mordverdacht stehenden 38-Jährigen, hält an der Unfallversion fest. Bei zwei der insgesamt sechs transportierten Handgranaten hätte die Sicherung - der so genannte Splint - gefehlt. "Er hat diese Information im Vorfeld auch in E-Mails an seine Kontaktpersonen weiter geleitet. Deswegen hat er die Granaten auch in sichere Transportgehälter begeben", erklärte der Anwalt am Montagnachmittag der APA.
Um das zu beweisen, sollen nun die Mails und die Telefongespräche des Niederösterreichers überprüft werden, die dieser mit Beamten aus dem Innenministerium und einem Journalisten bei der Info-Illustrierten "News" geführt hat.
Wie es zu der Explosion kommen konnte, "wird hoffentlich der Sachverständige klären", so Eichenseder. Der Verteidiger räumte ein, sein Mandant habe sich die Waffen und das Kriegsmaterial im ehemaligen Jugoslawien beschafft. Was er damit vor hatte, wollte der Anwalt nicht bekannt geben: "Das ist eine so abenteuerliche Geschichte, die man nicht in aller Kürze schreiben kann."
Motiv Testament
Als Motiv für den Mord an seiner Sekretärin kommt für die Staatsanwaltschaft primär ihr Testament in Frage, in dem sie dem Verdächtigen und seiner Frau für den Fall ihres Ablebens ihre Lebensversicherung von rund 300.000 Euro vermacht hatte. Zudem hatte sie ihm ihr Haus überschrieben. Nur wenige Wochen vor ihrem Tod soll es dem Vernehmen nach einen mysteriösen Chlorgasunfall gegeben haben, nachdem der Verdächtige die 39-Jährige gebeten hatte, Reinigungsmittel für einen Pool zu besorgen.
Die Beziehung zwischen der Sekretärin und ihrem Arbeitgeber wird jetzt jedenfalls eingehend untersucht. Fest scheint zu stehen, dass diese von einer emotionellen Abhängigkeit der Frau geprägt war.
Die Staatsanwaltschaft bestätigte darüber hinaus, dass im Zusammenhang mit dem Niederösterreicher zwei weitere Todesfälle näher in Augenschein genommen werden. Zum einen wird das Ableben seines Bruders geprüft, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam und dem 38 Jahre alten Mann seine Lebensversicherung hinterlassen hatte.
Zum anderen wird der Tod einer Pensionistin überprüft, die zuvor der Frau des Mordverdächtigen ein Grundstück samt Haus in Purkersdorf vermacht hatte. Die schwer herzkranke 87-Jährige war allerdings als "hoffnungsloser Fall" aus dem Spital entlassen worden. Ihr Tod kam keineswegs überraschend und ist bereits ein Mal Gegenstand von umfangreichen Erhebungen gewesen, die damals im Sand verlaufen sind.
(apa/red)
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