Mittwoch, 15. September 2004

Skandalautorin Kitty Kelley enthüllt die dubiosen Seiten des Saubermanns.

  • Sex, Koks, Suff: Das Lotterleben des George W. Bush
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Michael Moore hat, in der deutschen Übersetzung zumindest, die Parole der Stunde schon ausgegeben: „Volle Deckung, Mr. Bush“ – so der Titel der Wunderwaffe im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf.

Doch auch wenn Moore nicht in der Nähe ist, sollte der Präsident den Kopf nicht zu weit aus der Deckung recken: Die benetzten Unterhosen fliegen wieder tief wie zu den seligen Clinton-Zei-ten. Kitty Kelley, 62, die schon unfreundliche Biografien über Jackie Onassis, Nancy Reagan oder Frank Sinatra ablieferte, hat sich mit mörderisch scharf geschliffener Feder der Familie Bush genähert: „The Family – The Real Story of the Bush Dynastie“ (Doubleday, 705 S.) ist eine Schmähschrift gegen den Präsidentenclan, eine satte Schandtatensammlung. Sex und Drogen nicht ausgenommen.

Fettseen. Vier Jahre hatte Kelley gebraucht, um in Interviews mit Tausenden Zeitzeugen all die Fettseen aufzuspüren, in welche die Präsidentenfamilie schon platschte. Und „kaum ein Zeile ist schmeichelhaft“, wie die „New York Times“ urteilte. Der Bush-Stab führte sogleich einen erbitterten Präventivkrieg gegen das „Mistbuch“ (Sprecher Scott McClellan). TV-Stationen wurden unter Druck gesetzt, Interviews mit der Autorin nicht zu senden.
Doch vergebens: Die Debatte um Bushs Drogenvergangenheit, sein Alkoholproblem und die mangelnde Intelligenz, die ihn den vergangenen Wahlkampf nur mit dubiosen Mitteln überleben ließ, brennt lichterloh. Wir haben den in Amerika erschienenen Wälzer vorab gelesen.

Schlechte Noten, große Klappe. Probleme plagten den nachmaligen Präsidenten schon in der Mittelschule: Im Eliteinternat Andover mogelte sich der junge George mit Vierern durch.
Die Klappe war von Anfang an größer als der Intellekt. Weshalb der Bub mit dem gefürchtet feinen texanischen Humor bald „die Lippe“ gerufen wurde. Um ins lokale Pub zu gelangen, fälschte er Ausweise, wie später auch seine Töchter. Schulkollegin Kim Jessup: „Außer dem gottverdammten Saufen von George habe ich nur schöne Erinnerungen an Andover!“
Dank familiärer Protektion schaffte es Bush jr. auf die Eliteuni Yale. Studienkollegen erinnern sich an einen blasierten, ungebildeten und ignoranten Bengel, den nur Sport und Partys interessierten. Tom Willner: „Er reiste nicht, las keine Zeitungen, sah keine TV-Nachrichten, ging nicht mal ins Kino. Gott helfe uns, wenn ein derart ungebildeter Tölpel seine Finger am Atomschalter hat.“

Saufen, kiffen, koksen. Engagement zeigte Dabblju nur abseits der Hörsäle: Angeblich wurde gesoffen, gekifft und Kokain geschnupft. „Der ganze Campus war voll davon“, so Kommilitone Christopher Byron. Mädchen getraute sich der schüchterne Texaner nur in volltrunkenem Zustand anzusprechen, so Zeitzeuge Torbert Macdonald: „Es gibt so viele Storys, wie er völlig besoffen zu Verabredungen erschien.“
Als nicht übermäßig geglückter Macho inhalierte der Cowboy filterlose Zigaretten und angeblich mehr. Laut Autorin Kelley existiert eine lange Liste an Zeugen, die mit dem Junior Kokain geschnupft haben wollen. Ein Kommilitone bestätigte den Verkauf: „Ich kann meinen Namen nicht nennen. Erstens ist es ein Verbrechen. Und zweitens reden wir über den Präsidenten der Vereinigten Staaten.“ Und noch ein Kollege will sich an „Kokainschnupfen mit George“ erinnern.

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15.9.2004 16:39