Mittwoch, 15. September 2004

Ein anonymer Anruf führt NEWS zu einem Kriegsdepot gleich neben der A2:

  • Dutzende scharfe Waffen lagern mitten im Wienerwald.
  • Behörden vermuten: Es gibt noch viel mehr Waffenbunker.

Der überraschende Anruf kam Freitag der Vorwoche um acht Uhr früh und löste beklemmende Gefühle aus. „In der Nähe von Wien“, behauptete der Unbekannte mit klarer Stimme am NEWS-Telefon, „liegen Dutzende Kalaschnikows, Handgranaten und Panzerfäuste. Wir wollen das Zeug endlich loswerden.“

Die Aussage war so unglaublich, dass selbst lang gediente Redakteure zunächst an einen Scherz dachten: ein Verrückter, ein Aufschneider. Trotzdem die Gegenfrage: „Und wo, bitte, sollen diese Waffen versteckt sein?“ Nach kurzem Zögern antwortete der Mann: „Sie liegen im Wienerwald, stammen aus dem Bosnienkrieg. Bosnische Serben, die seit Jahrzehnten als anständige Gastarbeiter in Österreich leben, haben Depots angelegt.“

Kriegsangst. Die heiße Story nahm Gestalt an, und letztlich erklärte der Informant sogar, wozu das Kriegsmaterial eigentlich gebunkert wurde: „Weil einige von uns früher fix damit gerechnet haben, dass der Krieg am Balkan auch auf Österreich übergreifen könnte.“ Der Unbekannte weiter: „Wir wollten auf jede, selbst die undenkbarste Situation perfekt vorbereitet sein.“
Nach einer kurzen Pause setzte der Anrufer dann nach: „Wir wollen die Waffen auch nicht verkaufen, können sie auch nicht selbst vernichten. Wir wollen das Kriegsgerät, das wir jahrelang an sicheren Verstecken gehortet haben, einfach loswerden und der österreichischen Polizei übergeben. Das finstere Kapitel Balkankrieg muss endlich beendet sein, unsere Kinder haben uns darum gebeten.“

Angst vor Strafe. Klar, an die Polizei, so der mysteriöse Mann in akzentfreiem Deutsch, hätte man sich nicht direkt wenden können: „Das geht nicht, schließlich haben wir in Österreich Kriegsgerät gehortet und uns damit strafbar gemacht. Keiner von uns will es heute noch riskieren, wegen dieser Sache aus unserer neuen Heimat ausgewiesen zu werden.“ Dann wird der Informant leise, fast nachdenklich: „Wir haben hier unsere Familien, unsere Frauen, unsere Kinder, unsere Existenz. Wir wollen das nicht zerstören.“
Und dann der entscheidende Tipp: „Das Zeug liegt im Wienerwald, direkt neben der Westautobahn. Bei Kilometer Nummer 16,5 gibt es eine Betriebsausfahrt, dort haben wir die Waffen unter Erdreich und Fichtenästen versteckt.“ Mit der dringenden Aufforderung, rasch zu handeln, verabschiedet sich der Informant: „Viel Glück, die Dinger sind scharf.“

Handlungsbedarf. Nach wie vor gab es Zweifel an der Echtheit der Information. Jedoch: Die Gefahr, dass tatsächlich hochexplosives Material wenige Meter von der Autobahn entfernt, nur mit Reisig bedeckt, lagert, zwang den NEWS-Redakteur zum sofortigen Handeln. Anruf bei der Staatspolizei, direkt beim Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorbekämpfung (BVT). Am anderen Ende der Leitung ein Oberstleutnant, zu seinem Schutz kürzt NEWS den Namen ab: Helmut S., Mitglied des Sonderreferats zur Bekämpfung der Waffenkriminalität. Seine sofortige Anweisung: „Unternehmen Sie nichts auf eigene Faust“, warnte er, „wir kommen in wenigen Minuten vorbei.“

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS

15.9.2004 16:17