K.o. für Bischof Kurt Krenn - Ende einer Ära: Warum der Skandal-Bischof geht
- VATIKAN-AKTE SEXSEMINAR: Was Rom Krenn vorwirft und sein letztes Gespräch mit dem Papst.

Finale in Rom. Kirchenkrimi: Warum Bischof Kurt Krenn im Vatikan seinen Rücktritt unterzeichnen musste.
Warum Seine Exzellenz Kurt Krenn, der Diözesanbischof von St. Pölten, so lange auf die Verlautbarung im Bollettino Sala Stampa della Santa Sede auf der vatikanischen Home-page und somit auf die Rechtskraft seiner Entmachtung warten musste, weiß kein Mensch. In der Erzdiözese Wien, wo man über die kurialen Gepflogenheiten ja bestens Bescheid wissen müsste, werden geheimnisvolle Vorgänge in der vatikanischen Bürokratie gemutmaßt; anderswo wurde die Nähe zum New Yorker 9/11 Day als Grund für die verzögerte Verlautbarung geortet. Und in Rom wiederum war es das Datum an sich, das den Vatikan von bad news abschreckte: Am 15. September 1991 hatte Kurt Krenn das Amt des Diözesanbischofs von seinem Vorgänger Josef Zak übernommen und nicht ausgerechnet 13 Jahre danach wollte man ihm dieses Amt wieder wegnehmen.
Wie auch immer: Am Freitag vergangener Woche hat Kurt Krenn seinem zuständigen Kurialkardinal Giovanni Battista Re seinen Rücktritt aus Gesundheitsgründen angeboten und wenige Stunden danach wurde dieser routinemäßig vom Papst auch angenommen.
Kathpress wurde informiert. Dass die Kirchenagentur Kathpress am Freitagnachmittag Krenns Rücktrittsangebot vermelden konnte, passierte nicht zufällig: Der Pressesaal des Heiligen Stuhls in Rom informierte die (wenige hundert Meter neben der Peterskirche platzierte) Kathpress-Dependance, die diese Botschaft sofort nach Wien weiterleitete. In Übereinstimmung mit Kardinal Erzbischof Christoph Schönborn jagte Kathpress-Chef Professor Erich Leitenberger diese Botschaft aus den sacri palazzi am Nachmittag in die medialen Netze.
Ab diesem Zeitpunkt war das Rennen für Kurt Krenn gelaufen. Dramatische Stunden zuvor hatte er seinem Schicksal noch zu entrinnen versucht vergebens:
Roma locuta, causa finita (Rom hat gesprochen, die Sache ist beendet).
Troubles von Anfang an. Als Kurt Krenn (über Vorschlag des damaligen Nuntius Michele Cecchini) am 3. März 1987 zum Weihbischof (für Kunst, Kultur, Wissenschaft) der Erzdiözese Wien ernannt wurde, eilte ihm der Ruf eines klerikalen Fundis voraus. Ehe ihm Kardinal Hans Hermann Groër die Hand zur Bischofsweihe auflegen konnte, musste Krenn über einen Teppich protestierender Katholiken in den Stephansdom stolpern.
Als er, diesmal über Vorschlag von Nuntius Donato Squicciarini, am 11. Juli 1991 zum Diözesanbischof von St. Pölten ernannt wurde, wiederholte sich der Protest: Hunderte Gläubige blockierten den Dom der Traisenstadt. Dieser Weihe waren emsige Interventionen vorangegangen. Nuntius Squicciarini, den die Proteste in Wien bereits außer Fassung brachten, hatte Krenn eigentlich für einen Bischofsposten in der Kurie in Rom vorgesehen. Krenn erfuhr davon und steuerte dagegen: Ein Kurienbischof in Rom ist ein Nichts. Er ist ein Abgeschobener mit viel Freizeit, aber in der riesigen Bürokratie rund um den Papst ein Niemand
Es traf sich, dass Krenn den Lemberger Erzbischof Marian Jaworski sehr gut kennt, der seinerseits ein enger Freund des päpstlichen Sekretärs Stanislaw Dziwisz ist. Mit beider Hilfe intervenierte Krenn in der Bischofskongregation so lang, bis ihm statt einer Abschiebung nach Rom eine Diözese St. Pölten überantwortet wurde. Krenn, ein Besserwisser und Rechthaber, protzte ab diesem Zeitpunkt mit seinen guten Kontakten zum Papst und pochte seither auf seine bischöfliche Allmacht.
Es dauerte nicht lange, bis Krenn der in privaten Runden ein durchaus charmanter und kluger Gesellschafter sein konnte (Erich Leitenberger) die gesamte Diözese gegen sich aufgebracht und polarisiert hatte. Er umgab sich mit schrulligen Fundamentalisten (Vater und Sohn Engelmann, die die Kampfgazette Der 13. publizieren, Pornojäger Martin Humer, Theologieprofessor Robert Prantner etc.) und ließ in seiner Diözese den Sektenwildwuchs reichlich sprießen.
Der wahre Rücktrittsgrund. Krenn spaltete eine Diözese, deren Gläubige in 424 Pfarren und 25 Dekanaten bis dahin in einer ruhigen Welt gelebt hatten. In Wirklichkeit herrscht in St. Pölten eine jahrelang praktizierte Sehnsucht nach Frieden. Altbischof Zak, der zur Wahl seines Nachfolgers nie befragt wurde, war den Gläubigen ein Freund, den Mitarbeitern ein behutsamer Hirte.
Krenn zertrümmerte die kirchliche Welt am Traisenfluss innerhalb kürzester Zeit: Er umgab sich nur noch mit seinen wenigen Getreuen und betrachtete den Rest der Diözese als Feinde. Wann und wo immer er konnte, spaltete er die Gesellschaft: indem er sich mit den Äbten der Klöster anlegte, indem er den beliebten Pater Udo Fischer zum öffentlichen Feindbild erkor (und seiner Pfarre enthob ein Befehl, dem das für Fischer zuständige Stift Göttweig nie nachkam) oder indem er den bewährten Leiter des Priesterseminars, Prälat Schrittwieser, ganz einfach absetzte und einen ideologisch Gleichgesinnten zum Nachfolger bestimmte.
In der Bischofskonferenz hatte Krenn nur noch einen einzigen Freund den anfechtbaren Kardinal Hans Hermann Groër. Gerade in der Bischofskonferenz, in der Integration und Gleichklang gefragt gewesen wären, legte sich Krenn seit 1987 quer: Er torpedierte alles und jedes, sagte zu allen Vorschlägen Nein und lehnte es sogar ab, seine eigene Ideologie zu verkaufen. Krenn hätte in der Bischofsriege das konservative und besonders Rom-treue Element darstellen können. Aber selbst auf diese Rolle verzichtete er: Er war der böse Geist, der alles verneinte.
Und der alles besser wusste.
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PLUS: Was sagen Freunde und Gegner über Krenn?
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