Kapitalerhöhung bei OMV: Schüssel würde
Unternehmen voll unterstützen!
- "Wenn OMV Geld für Petrom braucht, wird sie es kriegen"
- Ruttenstorfer: Zu Emission noch nicht entschieden
·OMV plant größere Kapitalerhöhung!
Mitziehen der ÖIAG allerdings sehr fraglich
·OMV baut Nordsee- Aktivität weiter aus
Erstmals Betriebsführer. 6 neue Explorationslizenzen
Der österreichische Mineralölkonzern OMV wickelt zur Zeit die größte Firmenakquisition in der Unternehmensgeschichte ab, den 1,5 Mrd. Euro schweren mehrheitlichen Kauf des rumänischen Ölkonzerns Petrom. Weitere Großinvestitionen stehen im Gas-Infrastrukturbereich an: Klappt alles nach Plan, so geht es 2006 an den Bau einer Gaspipeline von der Türkei nach Baumgarten (NÖ).
An dem insgesamt 4,5 Mrd. Euro teuren Projekt "Nabucco" ist die OMV mit einem Fünftel beteiligt, sie stellt hier aber das Management. Investitionen für mehrere hundert Millionen laufen zudem in der Raffinerie Schwechat. Die Republik Österreich lässt durchblicken, dass es am Geld für die OMV nicht mangeln wird, sollte der Konzern darum vorstellig werden.
Für den Petrom-Deal hatte die OMV wiederholt erklärt, sie käme dabei ohne Kapitalaufstockung aus, eine Emission neuer Aktien wäre aber auch nicht ausgeschlossen. Zu Fragen, ob die Staatsholding ÖIAG bei der börsenotierten OMV bei einer Kapitalerhöhung mitziehen soll oder nicht, ist von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) jedenfalls kein "Machtwort" a la VA Tech zu erwarten. Schüssel stellte heute, Donnerstag, allerdings mit Blick auf die OMV klar: "Wenn sie sagen, sie brauchen für dieses oder jenes Projekt Geld, dann werden sie es kriegen - aber nicht mit politischem Zuruf."
OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer sagte am Donnerstag anlässlich eines Betriebsbesuchs von Kanzler Schüssel in der Raffinerie Schwechat, es sei noch nicht entschieden, ob die OMV für Petrom eine Kapitalerhöhung beschließen werde oder nicht. Sobald eine solche Entscheidung gefallen sei, werde man darüber informieren. Schüssel: "Wenn die OMV Geld braucht, dann wird sie das der ÖIAG sagen und die ÖIAG wird dann selbstständig entscheiden. Die Nabelschnur zwischen Politik und ÖIAG ist durchtrennt". Heute gebe es keinen Betrieb mehr in der ÖIAG, der rote Zahlen schreibe. Schüssel: "Weil ihnen keiner mehr drein redet."
Ruttenstorfer: "Die OMV ist sehr finanzstark und wir haben immer gesagt, dass wir die Petrom-Übernahme auch ohne Kapitalerhöhung durchführen können. Die Kapitalerhöhung ist seit Jahren genehmigt. Wir haben aber noch nicht beschlossen, ob wir sie durchführen." Bis 2009 könnte die OMV nach bisherigen Ermächtigungen ihr Kapital wie berichtet um nahezu 30 Prozent (entspricht bis zu 8 Mio. Aktien) aufstocken, allenfalls auch via Wandelanleihen. Der Petrom-Deal ginge auch ohne die Ausgabe junger Aktien über die Börse. Allein der Cash-Flow der OMV wird pro Jahr mit rund einer Milliarde Euro beziffert. Ruttenstorfer bekräftigte, dass selbst bei einer über Schulden finanzierten Petrom-Übernahme die OMV im Verschuldungsgrad besser dastehen würde als nach der Übernahme von 45 Prozent an der Bayernoil vor einem Jahr.
Um die OMV in ihrem - erfolgreichen - Rennen um den rumänischen Ölkonzern Petrom zu unterstützen, hatte sich auch Bundeskanzler Schüssel persönlich eingesetzt. Man unterstütze Firmen, wenn ein internationales Lobbying notwendig ist, sagte Schüssel. Die wirtschaftliche Verantwortung liege bei den Betrieben und ihren Aufsichtsorganen. "Wir werden uns in deren Entscheidungen nicht einmischen." Diese Zeiten seien glücklicherweise vorbei. Zur Eigentümerstruktur der OMV gebe es im übrigen "überhaupt kein Fragezeichen", betonte der Kanzler.
Die OMV ist der größte börsenotierte Industriekonzern Östereichs. Größter Eigentümer ist mit 35 Prozent die Staatsholding ÖIAG, zweitgrößter Aktionär ist die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi, mit 19,6 Prozent. Zwischen diesen Hauptaktionären gibt es einen Syndikatsvertrag.
(apa)
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