Ebenseer Firma Solvay schließt Werk zur Sodaproduktion: 130 Jobs gehen verloren
- Überkapazitäten und hohe Kosten als Ursache
- Übernahme der Produktion für Salinen kein Thema
Die Solvay Österreich GmbH kündigte am Dienstag überraschend an, dass sie die Sodaproduktion in ihrem Werk in Ebensee (Bezirk Gmunden) in Oberösterreich Mitte kommenden Jahres einstellen werde. 130 Menschen verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz. Begründet wurde die Schließung mit Überkapazitäten und den überdurchschnittlich gestiegenen Energie- und Transportpreisen. Man sei in die Kostenschere geraten, erklärten Generaldirektor Manfred Inkmann und der Geschäftsführer des Werkes, Gerhard Eder, in einer Pressekonferenz. Für die Salinen Austria mit einem Standort in Ebensee ist eine Übernahme der Produktion kein Thema.
Der seit Jahren andauernde Streit um die Einleitung von Rückständen aus der Sodaerzeugung in den Traunsee habe bei der nunmehrigen Entscheidung keine Rolle gespielt, betonte Eder, sondern allein die fehlende Kostendeckung. Die Produktionsstätte sei für eine rationelle Erzeugung zu klein, zudem habe man mit extrem gestiegenen Kokspreisen und der Lkw-Maut zu kämpfen. Darüber hinaus werde die Wettbewerbsfähigkeit durch die künftigen Kosten für den Kauf von Emissionsrechten vermindert. Am Standort Ebensee werde laut Firmenleitung künftig mit 80 Mitarbeitern gefälltes Kalziumbikarbonat erzeugt. In die Produktion sollen sechs Millionen Euro investiert werden.
Die "Frühwarnung" des Unternehmens ermögliche einen raschen Sozialplan, das Arbeitsmarktservice Oberösterreich gewinne dadurch Zeit, erklärte Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl (V) in einer Presseaussendung. Über die Technologie- und Marketinggesellschaft des Landes werde man nach neuen Nutzungsmöglichkeiten für das rund 150.000 Quadratmeter große, frei werdende Industrieareal suchen. Weitere Standortinvestitionen in anderen Bereichen seien nun entscheidend, betonte Landeshauptmann Josef Pühringer (V), der bedauerte, dass die Absiedlung in erster Linie aus finanziellen Gründen erfolge.
Ganze Region betroffen
Von der angekündigten Schließung sei nicht nur die Gemeinde Ebensee, sondern die gesamte Region betroffen, betonte Bürgermeister Herwart Loidl (S). SPÖ-Landesparteivorsitzender Landeshauptmann-Stellvertreter Erich Haider verlangte ein umfassendes Hilfs- und Unterstützungsprogramm für die betroffenen Arbeitnehmer unter Beteiligung des Landes. Es gelte, Betriebsansiedlungen - im Bereich der der Umwelttechnik- und Energietechnikindustrie - zu forcieren, so Ruperta Lichtenecker, Wirtschaftssprecherin der oberösterreichischen Grünen.
Für ein Vorziehen der Investitionen des Landes im Raum Gmunden/Ebensee/Bad Ischl sprach sich der stellvertretende FPÖ-Bundesparteiobmann und Klubobmann im Oberösterreichischen Landtag, Günther Steinkellner, aus. Die angekündigte Schließung treffe eine ohnehin wirtschaftlich benachteiligte Region, erklärte der Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich. Johann Kalliauer. Der Standort Ebensee sei nur "ein Spielball der internationalen Konzernherren", kritisierte ÖGB-Landessekretär Erich Gumplmaier.
Salinen Austria überimmt Solvay nicht
"Ich wüsste nicht, warum ein Salzerzeuger besser Soda produzieren können soll als ein Sodaerzeuger", so Salinen-Vorstandschef Thomas Jozseffi zum Vorschlag des oberösterreichischen SPÖ-Landesgeschäftsführers Landtagsabgeordneter Reinhard Winterauer, die Produktion zu übernehmen. Aus derzeitiger Sicht bringe dieser Schritt keine Vorteile für den Standort, zu groß sei der Unterschied der Märkte und der Herstellungsverfahren.
Solvay ist eine internationale Chemie- und Pharmagruppe mit der Zentrale in Brüssel und beschäftigt rund 30.000 Mitarbeiter in 50 Ländern. Das Unternehmen will auch künftig mit seinen drei Kernbereichen Chemie, Kunststoffe und Pharma in Österreich präsent sein. Der österreichische Firmensitz von Solvay befindet sich in Wien, in Hallein bei Salzburg wird ein Chemikalienlager betrieben.
(apa)
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