Montag, 13. September 2004

Haben 1- und 2-Cent-Münzen ausgedient? Österreichs Handel plädiert für Abschaffung

  • WKÖ: Nur Einzelhandel & Trafikanten haben Bedenken
  • OeNB: Sorgen wegen "großzügiger Rundungsvarianten"

Gibt es bald keine 1- und 2-Cent-Münzen mehr? Eine Umfrage der Wirtschaftskammer (WKÖ) unter sämtlichen Handelsbranchen hat ergeben, dass die meisten Branchen in Österreich für die Abschaffung dieser Münzen wären, weil sie in der Regel bei den Preisen keine Rolle spielten. Branchen mit eher kleinpreisigen Waren, wie der Lebensmittelhandel und die Tabak Trafikanten haben laut einem Radio-Bericht allerdings ihre Bedenken angemeldet. "Aus Gesamthandelssicht ist die Wirtschaftskammer aber wegen der Kostenthematik für die Abschaffung. Der österreichische Handel wird allerdings nichts gegen den Wunsch der Konsumenten tun", schränkte eine WKÖ-Sprecherin ein.

Als Gegenargument gegen eine Abschaffung führt Christian Helmenstein, Chef-Ökonom der Industriellenvereinigung (IV), im Bericht des Ö1-Mittagsjournal die unterschiedliche Wahrnehmung von Auf- und Abrundungen an. Bei einer Abschaffung müsste wie in den Niederlanden ein Rundungsgesetz angewandt werden, mit dem auf die nächsten 5 Cent auf- oder abgerundet werden müsste. "Problematisch ist nun, dass wahrscheinlich wie schon bei der Euro-Einführung Aufrundung, sprich Verteuerung, besonders stark gefühlt werden würde, während das gleiche nicht für Abrundungen gelten würde", so Helmenstein. Diese asymmetrische Wahrnehmung könnte der "Teuro-Illusion" weiter Vorschub leisten. Das würde die Euro-Akzeptanz insgesamt weiter beeinträchtigen.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) werde auch weiterhin 1- und 2-Cent-Münzen anbieten. Sie werde dies so lange tun, so lange sie nachgefragt werden, "und sie werden nachgefragt", sagte OeNB-Direktor Peter Zöllner am Montag auf Journalistenfragen in Wien. Eine Abschaffung der Euro-Kleinstmünzen hätte laut Zöllner keine Auswirkungen auf die Inflation, wenn die Methoden jener Länder, in denen es zu einer Abschaffung der Kleinstmünzen gekommen ist, angewandt würden.

Sorgen würde sich der OeNB-Direktor im Falle einer Abschaffung nur über die von den Firmen angewendeten "Rundungsvarianten" machen, die wie bei der Euro-Einführung "etwas großzügig ausgelegt werden könnten.

Bei den angewandten Modellen würde zwischen Bargeld-Kauf und Kauf mit Bankkarte unterschieden, führte Zöllner aus. Beim Kauf mittels Bankkarte käme es auch weiterhin zur Cent-genauen Abrechnung, beim Bargeld-Kauf würde nur die Endsumme kaufmännisch auf- oder abgerundet werden.

Wie berichtet stellt Belgien im kommenden Jahr die Produktion neuer Ein- und Zwei-Cent-Münzen ein. Finanzminister Didier Reynders begründete diese Entscheidung mit hohen Produktionskosten im Vergleich zum Nennwert der Münzen. Eingeführt würden zudem Rundungsregeln, um im Barzahlungsverkehr auf die beiden kleinsten Nennwerte verzichten zu können. Die Münzen blieben aber gesetzliches Zahlungsmittel. (apa/red)

13.9.2004 14:29