Freitag, 17. September 2004

Weiter Turbulenzen beim AS Roma: Jagd nach Frisks Angreifer, Coach Völler erzürnt

  • Appell der Polizei an Zuschauer im Olympiastadion
  • Machtkampf zwischen Ex-DFB-Teamchef und Cassano

Nach der Verletzung des Schiedsrichters Anders Frisk beim Fußball-Champions League-Spiel AS Roma gegen Dynamo Kiew im Olympiastadion am Mittwochabend jagt die italienische Polizei jenen Fan, der den Referee mit einer Ein-Euro-Münze beworfen hat. Fünf Tifosi wurden nach Medienangaben vom Freitag von der Polizei vernommen. Sie gehören zu einer Gruppe von Fans, die in der Halbzeit Gegenstände auf den Schweden geworfen hatten.

Die Polizei stellte fest, dass der Unparteiische mit einer Ein-Euro-Münze am Kopf verletzt wurde, die von der VIP-Tribüne geworfen worden war. Die Polizei will nun vom Nationalen Olympischen Komitee Italiens (CONI) die Liste der rund 500 Zuschauer überprüfen, die auf dieser Tribüne saßen. Die meisten von ihnen hatten vom CONI gratis eine Eintrittskarte bekommen, berichteten italienische Medien.

Die Polizei appellierte an die Zuschauer der Tribüne, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. "Wenn man uns hilft, können wir den Täter entlarven", sagte ein Polizeisprecher. Frisk konnte den Ermittlern keine nützlichen Informationen liefern. "Ich habe nicht gesehen, wer die Münze geworfen hat. Ich habe nicht einmal begriffen, mit welchem Gegenstand ich beworfen worden bin", sagte der 41-Jährige, der im römischen Krankenhaus "Gemelli" behandelt worden war und danach in seine Heimat zurückflog.

Wirft Völler schon bald das Handtuch?
Rudi Völlers hartes Durchgreifen haben in Italien Spekulationen um eine Rücktrittsdrohung des Trainers ausgelöst. "Ultimatum von Völler, er ist bereit, den Klub zu verlassen", schreib "Gazzetta dello Sport" am Freitag. Der ehemalige DFB-Teamchef soll mit Rücktritt gedroht haben, wenn der Verein seine harte Linie gegen die undisziplinierten Spieler Philippe Merxes und Antonio Cassano nicht mittrage. "Wenn ihr mich nicht unterstützt, kann ich auch nach Deutschland zurückkehren", soll Völler in einem Gespräch mit den Klub-Managern gesagt haben.

Nach dem Skandal-Spiel bestellte Völler seine Mannschaft zum Rapport und mahnte zu mehr Disziplin. Den aufmüpfigen Cassano hatte er schon am Mittwoch zum Nachdenken drei Tage nach Hause geschickt, weil der 22-Jährige zum Meisterschaftsauftakt wegen einer Tätlichkeit vom Platz geflogen war und sich im Training dann auch noch lustlos präsentiert hatte.

Cassano bekommt Geldstrafe aufgebrummt
"Wir hätten schon viel früher bei Cassano härter durchgreifen müssen", gab Romas Sportdirektor Franco Baldini Völler im Machtkampf mit Cassano Rückendeckung. Der Vizemeister wird den Stürmer mit einer Geldstrafe von bis zu 100.000 Euro belegen. Wenn das Verhältnis der beiden angespannt bleibt, wird Cassano laut Medienberichten seinen 2006 auslaufenden Vertrag im Winter wohl nicht wie erwartet verlängern, sondern vorzeitig wechseln wollen.

Auch Mexes bekommt eine Geldstrafe, weil er mit seinem Platzverweis gegen Kiew die Attacken auf den Schiedsrichter provoziert hatte. (apa/red)

17.9.2004 16:47