Freitag, 17. September 2004

Europa gewinnt Ryder-Cup mit Rekord gegen die USA: Rekordsieg mit 14,5 zu 8,5

  • Team feiert siebten Erfolg seit 1979
  • Kapitän Langer soll auch 2006 Captain bleiben

Der Ryder Cup bleibt in Europa. Die Europäer holten sich am Sonntag in Bloomfield Hills/USA die 35. Auflage dieses Golf-Kontinentalvergleichs mit den USA mit dem Rekord-Vorsprung von 18,5:9,5 Punkten und haben damit die prestigeträchtigste Trophäe im Golfsport in den jüngsten fünf Auflagen zum vierten Mal gewonnen. Insgesamt gingen die seit 1979 als gemeinsames Team auftretenden Europäer in der maßgeblichen Bilanz damit erstmals in Führung und liegen nun mit 7:6 voran.

Es war ein einzigartiger Triumph für den Teamgeist der europäischen Außenseiter und eine Blamage für die verwöhnten und favorisierten US-Millionäre, die sich schon in den Doppeln der ersten zwei Tage einen entscheidenden Rückstand eingehandelt hatten. Obwohl die von Tiger Woods und Phil Mickelson angeführten Gastgeber in der Weltrangliste doppelt so gut platziert waren und fünf Major-Sieger in der Mannschaft hatten (Europa keinen), kassierten sie am Ende eine Rekord-Niederlage.

Ganz anders die Europäer, die vor allem in den Teambewerben ihre Zusammengehörigkeit und Klasse zeigten. Allen voran "Mr. Ryder Cup" Colin Montgomerie, der am Sonntag im Einzel gegen David Toms den vorentscheidenden Punkt zum Sieg machte und zum vierten Mal den Cup holte. "Nicht dass die Amerikaner nicht für ihr Land spielen würden. Aber wir waren Eins vom Tag an, als wir ins Flugzeug gestiegen sind", sagte der schottische Fontana-Botschafter, der damit ein privat miserables Jahr (Scheidung nach 14 Jahren Ehe) zumindest teilweise vergessen machte.

Im Mittelpunkt des Dankes stand Europa-Kapitän Bernhard Langer (47). Der in den USA lebende Musterprofi und Laienprediger aus Schwaben war hauptverantwortlich für den Teamgeist seiner Truppe und sagte nach dem Triumph: "Wir haben den Ryder Cup auf ein neues Niveau gehoben. Gott hat uns die Kraft gegeben. Wir hätten mit 20 Spielern antreten können und trotzdem gewonnen, weil wir ein Team waren, in dem jeder für den anderen spielte."

Während Franz Beckenbauer seinen Landsmann deshalb bereits für die Wahl zum "Sportler des Jahrhunderts" vorgeschlagen hat, soll Langer nun das Europa-Team auch in zwei Jahren in Irland (K Club bei Dublin) wieder anführen. "Ich will aber niemand blockieren", so Langers Antwort.

Während bei den Europäern jeder Spieler zumindest einen Punkt gewann und Lee Westwood sowie Sergio Garcia jeweils gleich 4,5 Zähler einheimsten, brachten es die drei Topspieler der USA - Woods, Mickelson und Davis Love - insgesamt nur auf 4,5 Punkte.

Vor allem Chef-Egozentriker Woods konnte erneut nicht integriert werden und der Versuch von Kapitän Hal Sutton, mit Woods und Mickelson gleich am ersten Tag ein "Dreamteam" auf die Runde zu schicken, ging völlig daneben. "Ich habe einen Fehler gemacht und übernehme die volle Verantwortung", sagte Sutton nach der größten US-Niederlage in 77 Jahren. Woods gab sich eher als Realitätsverweigerer, obwohl er aus mittlerweile 20 Ryder-Cup-Partien nur acht Punkte geholt hat. "Die Europäer haben besser geputtet. Ich war verantwortlich für fünf Punkte und habe nur zwei gewonnen."

1979Europa - USA11:17Greenbrier, West Virginia (USA)
1981Europa - USA9,5:18,5Walton Heath, Surrey (ENG)
1983Europa - USA13,5:14,5Palm Beach Gardens, Florida (USA)
1985Europa - USA16,5:11,5The Belfry, Sutton Coldfield (ENG)
1987Europa - USA15:13Muirfield Village, Columbus, Ohio (USA)
1989Europa - USA14:14*The Belfy, Sutton Coldfield (ENG)
1991Europa - USA13,5:14,5Kiawah Island, South Carolina (USA)
1993Europa - USA13:15The Belfry, Sutton Coldfield (ENG)
1995Europa - USA14,5:13,5Oak Hill CC, Rochester, New York (USA)
1997Europa - USA14,5:13,5Valderrama (ESP)
1999Europa - USA13,5:14,5Brookline, Boston, Massachusetts (USA)
2002Europa - USA15,5:12,5The Belfry, Sutton Coldfield (ENG)
2004Europa - USA18,5:9,5Oakland Hills CC, Michigan (USA)

* = bei Unentschieden bleibt der Gewinner der vorangegangenen Austragung im Besitz des Cups

Gesamtbilanz
22 Wettkämpfe Großbritannien/Irland - USA von 1927 bis 1977:
3 Siege für Großbritannien/Irland, 19 Siege für die USA

13 Wettkämpfe Europa - USA seit 1979: 7 Siege für Europa, 6 Siege für die USA

(apa)

17.9.2004 20:25