Donnerstag, 16. September 2004

NHL: 1,8 Mrd. Minus in zehn Jahren - Liga und Eigentümer wollen Gehaltsobergrenze

  • NHL-Boss spricht erstmals von Ausfall der Saison
  • Profis lehnen Gehaltsdeckelung kategorisch ab

Sollte die Saison tatsächlich komplett entfallen, gäbe es erstmals seit 1919 ein Jahr ohne Stanley-Cup-Finale. Damals hatte jedoch eine Grippe-Epidemie die Austragung des Duells zwischen Montreal und Seattle verhindert. Optimisten gehen davon aus, dass im günstigsten Fall im Dezember mit einer Einigung zu rechnen ist. Dann würde es mit Anfang 2005 noch einen verspäteten Saisonstart geben.

"Wenn genug Zeit für eine verkürzte Saison bleibt, ist das gut. Wenn nicht, dann eben nicht", meinte Bettman und merkte an, dass die derzeitige Kluft zwischen den Verhandlungspartnern die "Größe des Grand Canyon" hätte. Laut dem Verhandlungsführer der Ligaseite habe sich in den zehn Jahren des am Mittwoch ausgelaufenen Rahmentarifvertrages ein Minus von 1,8 Milliarden Dollar (1,47 Mio. Euro) angehäuft, begleitet von Konkursen in Buffalo, Los Angeles, Ottawa und Pittsburgh. Allein in der abgelaufenen Saison erwirtschafteten die 30 Vereine ein Defizit von 229 Millionen Dollar (187 Mio. Euro)! Goodenow nennt diese Zahlen "lächerlich, einfach nicht wahr und unaufrichtig".

32 Millionen Dollar pro Klub sind genug
Bettman und die Klubeigentümer fordern daher weiter die Einführung eines so genannten "Salary Cap", einer Gehaltsobergrenze für Spieler. Als Fernziel hält der NHL-Boss eine Summe von 32 Millionen Dollar (26,1 Mio. Euro) pro Verein für ausreichend; derzeit geben einige Teams bis zu 80 Millionen Dollar (65,4 Mio. Euro) pro Saison für ihr spielendes Personal aus.

Profis schlagen Luxussteuer vor
Die Profis lehnen aber jede Form von Gehaltsdeckelung rigoros ab. Ihrerseits präsentierten sie ein Kompromiss-Angebot, das neben einer generellen Gehaltsreduzierung von fünf Prozent und reduzierten Bezügen für neu in die Liga nachrückende Talente auch die Einführung einer Luxussteuer beinhaltet. Letztere sieht vor, dass es jedem Club auch in Zukunft freigestellt bleibt, eine festgelegte Obergrenze - der Gewerkschaft schwebt eine Summe von 50 Millionen Dollar (40.9 Mio. Euro) vor - zu überschreiten. Allerdings muss dabei für jeden zusätzlich ausgegebenen Dollar ein weiterer an Vereine gezahlt werden, die unter der Grenze bleiben.

Finanziell müssen die Spieler jetzt schon durch den "Lockout" Abstriche machen, doch haben sie - wie auch die Klubs - eine mit rund 300 Millionen Dollar (245 Mio. Euro) gefüllte Streikkassa aufgebaut. Diese soll helfen, die Zeit des Ausstandes abzusichern bzw. zu überbrücken.

Jagr mit sportlichem "Urlaub"
Ein Spieler hält sich indessen in seiner alten Heimat fit. Stürmerstar Jaromir Jagr von den New York Rangers nutzt den "Lockout" in der National Hockey League (NHL), um für seinen Heimatklub Kladno in der ersten tschechischen Division zu spielen. Bereits während der bisher letzten Zwangspause in Nordamerika vor zehn Jahren spielte der mehrfache NHL-Topscorer für den Klub, bei dem sein Vater Präsident ist.

16.9.2004 15:15