Mittwoch, 15. September 2004

Golf: Die USA setzen im Ryder Cup auf Heimvorteil, Europa auf Teamstimmung

  • 35. Auflage des Übersee-Duelles startet am Freitag
  • US-Golfer mit besseren Weltranglisten-Plätzen Favorit

Wenn von Freitag bis Sonntag in Oakland Hills/Detroit im US-Bundesstaat Michigan die jeweils zwölf besten Golfer aus den USA und Europa gegeneinander antreten, um den 35. Ryder Cup auszuspielen, ist es wieder Zeit für große Emotionen. Der Ryder Cup, das spektakuläre Kräftemessen, das nur alle zwei Jahre ausgetragen wird, sei etwas Einzigartiges, so die einhellige Meinung bei Spielern und Zuschauern.

Das Duell USA - Europa ist wie immer auch ein Duell der Kapitäne, diesmal zwischen dem Amerikaner Hal Sutton und dem Deutschen Bernhard Langer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Langer, der schon als Spieler zehn Ryder Cups bestritten hatte, bei der Zusammensetzung seines Teams für die Doppel-Runden am Freitag und Samstag im Sinne der Teamstimmung seine Spieler selbst mitbestimmen ließ, setzt "Pokerface" Sutton auf den Überraschungseffekt. "Ich werde vor Donnerstag nichts bekannt geben. Meine Spieler sollen sich lieber um ihr eigenes Spiel kümmern", gab sich der 46-Jährige bedeckt.

Mickelson und Woods in einem Team?
Nicht einmal dem regierenden Träger des grünen Jackets des U.S. Masters-Siegers, Phil Mickelson, verriet Sutton seinen Partner. Mickelson hatte zuvor verlautbart, dass er "es lieben würde, einmal gemeinsam mit Tiger Woods als Team auf die Runde zu gehen". Woods, der vor zwei Wochen von Vijay Singh als Nummer eins der Golf-Welt abgelöst worden war, war in der Vergangenheit heftig für seine negative Einstellung zum Teambewerb Ryder Cup kritisiert worden. "Er ist in Topform, da mache ich mir keine Sorgen", streute Sutton seinem Star nach dem ersten Training auf dem schwierigen Par-70-Kurs im Oakland Hills GC jedoch Rosen.

Europa-Kapitän Langer: "USA stehen unter Druck"
Der Kurs in der Nähe der Motor-Stadt Detroit hat viele Tücken, ist vor allem für seine tiefen Bunker, schmalen Fairways und schweren Grüns bekannt, wurde jedoch von beiden Kapitänen gleichermaßen gelobt. Sogar Basketball-Superstar Michael Jordan, selbst passionierter Golfer, stattete dem Nobelklub einen Besuch ab, um seinen Landsleuten für den großen Showdown Mut zuzusprechen.

Der zweifache US-Masters-Champion Langer glaubt dennoch fest an sein europäisches Team, das auf Grund der besseren Weltranglisten-Platzierungen und des Heimvorteils des US-Teams in Michigan als leichter Außenseiter gilt. "Der europäische Teamgeist wird uns Vorteile bringen, die USA stehen unter Druck", hofft der 47-Jährige, der für seine Liebe zum Detail bekannt ist, auf eine erfolgreiche Titelverteidigung.

Titelverteidiger Europa
Die Europäer hatten das bisher letzte Aufeinandertreffen im Kampf um die Ryder Cup-Trophäe aus purem Gold, die 1927 vom englischen Kaufmann Samuel Ryder gestiftet worden war, vor zwei Jahren in England mit 15,5:12,5 Punkten dank einer taktischen Meisterleistung mit dem höchsten Vorsprung seit 1985 für sich entschieden. Drei der letzten vier ausgetragenen Cups gingen damit auf das Konto der Europäer. Die Bilanz seit 1979, als erstmals statt einer britisch-irischen Auswahl ein gesamteuropäisches Team antrat, ist mit je 6 Siegen auf beiden Seiten ausgeglichen. (apa)

15.9.2004 13:12