Dienstag, 14. September 2004

Paralympics in Athen: Das ÖPC-Team hat sich sehr hohe Ziele gesteckt

  • Sydney-Resultat mit 2xGold, 7xSilber, 6xBronze soll her
  • Eröffnungsfeier im "Spyridon Louis"-Stadion ausverkauft

Knapp drei Wochen nach dem Ende der Olympischen Spiele beginnt am Freitag in Athen der Saison-Höhepunkt der Behindertensportler: Bei den Paralympics geht es von Freitag bis 28. September für mehr als 4.000 Sportlerinnen und Sportler aus 146 Ländern in 19 Sportarten um Spitzenleistungen und natürlich auch um Medaillen.

Das 47-köpfige Team des Österreichischen Paralympischen Comites (ÖPC) wird an den Ergebnissen von 2000 gemessen. "Das gleiche Resultat wie in Sydney mit zwei Gold-, sieben Silber- und sechs Bronzemedaillen wäre ein Erfolg", sagte ÖPC-Präsident Peter Wittmann.

Die 56.000 Karten für die Eröffnungsfeier der 12. Sommer- Paralympics am Freitag (20:00 Uhr) sind übrigens schon vergriffen. Gemeinsam mit allen Delegationen werden 72.000 Menschen im Stadion "Spyridon Louis" den Startschuss für das zweitgrößte Sportereignis der Welt erleben.

Zahlreiche Neulinge, aber auch viele erfahrene Aktive vertreten Österreich in Athen in insgesamt neun Sportarten (Boccia, Leichtathletik, Powerlifting, Radsport, Reiten, Schießen, Schwimmen, Tennis, Tischtennis). Neun Athletinnen und Athleten haben bei früheren Paralympics bereits Goldmedaillen gewonnen. Schon drei Stück hat der Schütze Oskar Kreuzer daheim in Ternitz (NÖ) hängen, in Athen bestreitet der 56-jährige, der seit einem Mopedunfall im Jahr 1960 querschnittgelähmt ist, bereits seine siebenten Paralympics. Als Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier fungiert die mit 16 Jahren jüngste österreichische Teilnehmerin, die Schwimmerin Janine Schmid. Die niederösterreichische WM-Zweite über 100 m Rücken 2002 hat sich Markus Rogan als Vorbild genommen.

Thomas Geierspichler (28) war 2000 Dritter im Rollstuhl-Marathon, heuer zählt er nach Weltrekorden über 800, 1.500, 5.000 m und im Marathon in mehreren Disziplinen zu den Medaillenanwärtern. Einen Motivationsschub gab es für den Salzburger wenige Tage vor der Abreise: Da erhielt er überraschend Besuch von Doppel-Olympiasieger Hans Peter Steinacher. "Ich habe seine menschliche Größe kennen gelernt und ich hoffe, dass ich auch erfolgreich aus Athen zurückkehre", meinte Geierspichler nach dem Treffen mit dem Segler.

Erstmals als Radsportler (mit dem Hand-Bike) tritt Christoph Etzlstorfer an. Der 40-jährige Oberösterreicher, seit einem Unfall beim Schulturnen gelähmt, bestreitet bereits seine sechsten Paralympics, seit 1984 hat der Diplomingenieur und Doktor als Leichtathlet nicht weniger als sechs Medaillen gesammelt. Garanten für Erfolge sind stets auch die Tischtennis-Spieler. Stanislaw Fraczyk (zwei Goldmedaillen 1996, Silber 2000), Rudolf Hajek (1988 und 1992 insgesamt drei Mal Gold) und Co. wollen es in der Galatsi- Halle besser machen als ihr prominenter Landsmann Werner Schlager.

Für Michael Buchleitner, am vorletzten Tag der Sommerspiele 29. im Marathon, geht es bei den Paralympics um Edelmetall. Er fungiert als Begleitläufer des blinden Kenianers Henry Wanyoike, der über 5.000 m Gold holen und den Weltrekord verbessern will. "Derzeit gibt es niemanden, der Henry schlagen kann", sagte Buchleitner. In Sydney hatte Wanyoike Gold erobert, obwohl sein Führungsläufer zusammengebrochen war. Er schleppte seinen Begleiter ins Ziel, den Weg fand er dank der Zurufe von Zuschauern.

Dopingkontrollen werden bei den Paralympics ähnlich streng sein wie bei den Sommerspielen. Ein Dopingfall, laut ÖPC der erste im heimischen Behindertensport, hat wenige Wochen vor den Paralympics eine Änderung im ÖPC-Kader nötig gemacht. Der Tiroler Andreas Gratt, der den positiven Test auf ein verunreinigtes Nahrungsergänzungsmittel zurückführt, wurde suspendiert und durch Michael Linhart (NÖ) ersetzt.
(apa)

14.9.2004 10:21