Freitag, 17. September 2004

Erneut Autobombenanschlag in Bagdad: 13 Tote überwiegend Polizisten!

  • US-Luftangriff auf Falluja forderte mindestens 70 Tote
  • In der Nacht auf Samstag fanden weitere Angriffe statt

Bei einem Selbstmordanschlag im Zentrum Bagdad sind nach Angaben aus dem irakischen Gesundheitsministerium am Freitag mindestens 13 Menschen getötet worden. Nach ersten Erkenntnissen handle es sich bei den Toten um irakische Polizeibeamte, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Zuvor war von fünf Toten und 20 Verletzten die Rede gewesen.

Die Autobombe explodierte nach Angaben der Polizei in der Nähe eines Kontrollpunktes im Zentrum der irakischen Hauptstadt. Irakische Sicherheitskräfte waren in den vergangenen Wochen häufig das Ziel von Anschlägen. Die Opferzahl könnte aber noch steigen.

Die Autobombe explodierte nach Angaben der Polizei in der Nähe eines Kontrollpunktes im Zentrum der irakischen Hauptstadt. Am Ostufer des Flusses Tigris sei eine dicke Rauchwolke aufgestiegen, berichteten Augenzeugen. Mehrere Krankenwagen fuhren zum Ort der Explosion. US-Soldaten riegelten das Gebiet rund um die Raschid Straße ab. Nach Angaben des Innenministeriums wurden mehr als 50 Verdächtige festgenommen. In der Straße war am Dienstag eine Autobombe in der Nähe einer Polizeiwache explodiert. Dabei kamen 47 Menschen ums Leben.

Zuvor waren Kämpfe in der Bagdader Innenstadt ausgebrochen. US-Soldaten und irakische Sicherheitskräfte rückten in eine Rebellenbastion am westlichen Tigris-Ufer vor, um Aufständische zu vertreiben. Zwei Rebellen seien bei dem Vorstoß erschossen worden, sagte ein Armeesprecher. Sie hätten versucht, mit einem mit Sprengsätzen versehenen Fahrzeug eine Sicherheitssperre zu durchbrechen.

Irakische Sicherheitskräfte waren in den vergangenen Wochen häufig das Ziel von Anschlägen. Die Aufständischen wollen die Sicherheitslage im Irak destabilisieren und die für Januar geplanten Wahlen verhindern. Erst am Dienstag waren bei einem schweren Autobombenanschlag nahe einer Bagdader Polizeiwache 47 Menschen getötet worden.

70 Tote bei Kämpfen in Falluja
Bei amerikanischen Angriffen auf Stellungen Aufständischer in der irakischen Stadt Falluja und umliegenden Dörfern sind nach US-Militärangaben bis zu 70 Menschen getötet worden. Ein Arzt am Krankenhaus von Falluja sprach von mindestens 30 Toten und mehr als 40 Verletzten, darunter Frauen und Kinder. Falluja gilt als Hochburg sunnitischer Widerstandskämpfer. Ziel der Operation, die am Donnerstag begann und bis Freitag andauerte, waren Militärangaben Anhänger des jordanischen Extremisten Abu Mussab al Sarkawi.

In der Innenstadt von Bagdad kam es am Freitag zu Gefechten zwischen amerikanischen Truppen und Aufständischen. Wie ein Vertreter des irakischen Innenministeriums mitteilte, gingen die US-Soldaten - unterstützt von irakischen Sicherheitskräften - gegen Stellungen von Extremisten vor. Aufständische hätten das Feuer auf die Truppen eröffnet. Die Razzien fanden in der Haifa-Straße statt, wo am Dienstag eine Autobombe in der Nähe einer Polizeiwache explodiert war. Dabei kamen 47 Menschen ums Leben.

Die US-Streitkräfte bezeichneten die Angriffe in Falluja als Präzisionsschlag. Eine nachfolgende Offensive in Ramadi hatte nach amerikanischen Angaben die bisher wenig bekannte Gruppe Daham Terroristen-Netzwerk zum Ziel, die Verbindungen zu Al Sarkawi haben soll. Bei dem dortigen Angriff wurden nach irakischen Angaben sieben Menschen getötet und fünf weitere verletzt. Zu neuen Kämpfen kam es auch in der westlichen Provinz Anbar. Dort kamen nach Militärangaben drei amerikanische Marineinfanteristen ums Leben.

Nördlich von Bagdad wurde die Leiche eines westlichen Ausländers gefunden. Der Tote wurde nach Angaben irakischer Sicherheitskräfte nahe des Dorfes Jethrib aus dem Tigris gezogen. Der Mann habe blonde Haare sowie die Gesichtszüge eines Europäers oder Amerikaners. Seine Hände seien hinter seinem Rücken gefesselt gewesen. Die Todesursache war allem Anschein nach ein Schuss in den Hinterkopf.

Die Äußerungen von UN-Generalsekretär Kofi Annan, der Irak-Krieg sei illegal gewesen, sorgten weiterhin für Zündstoff. Das Außenministerium in Washington bekräftigte die Auffassung der USA, der Krieg sei vom Völkerrecht ebenso wie von einschlägigen UN-Resolutionen solide abgedeckt gewesen. Die im November 2002 verabschiedete UN-Resolution 1441 habe "ernste Konsequenzen" angedroht, falls der Irak nicht abrüste.

Keine Beweise für Massenvernichtungswaffen
Laut einem Bericht des amerikanischen Chefinspekteurs Charles Duelfer besaß der Irak vor dem Krieg keine Massenvernichtungswaffen. Es habe aber Anzeichen dafür gegeben, dass Saddam Hussein entsprechende Pläne zu einem späteren Zeitpunkt umsetzen wollte. Dies geht aus einem 1.500 Seiten starken Bericht des Chefs der so genannten Iraq Survey Group hervor. Die USA und Großbritannien hatten die vermeintliche Existenz von Massenvernichtungswaffen im vergangenen Jahr als Hauptgrund zur Rechtfertigung des Krieges herangezogen. (apa)

17.9.2004 07:54