Dienstag, 14. September 2004

Entschädigung für israelische Siedler: Sicherheitkabinett stimmt Sharon-Plan zu

  • 164.000 bis 410.000 Euro sollen an Bewohner gehen

Das israelische Sicherheitskabinett hat am Dienstag einem Plan von Ministerpräsident Sharon zur Entschädigung der Siedler aus dem Gazastreifen zugestimmt. Das berichtete der öffentliche israelische Rundfunk. Zeitungsberichten zufolge sollen die rund 8000 Bewohner der 21 zu räumenden Siedlungen mit jeweils einem Drittel des Wertes ihrer Häuser entschädigt werden, wenn sie freiwillig abziehen.

Siedler, die länger als acht Jahre in einer der Siedlungen leben, sollen Medien zufolge umgerechnet zwischen 164.000 und 410.000 Euro Entschädigung bekommen. Im Gegenzug für den Abzug aus dem Gazastreifen will Sharon jüdische Siedlungen im Westjordanland ausbauen und den Bau der umstrittenen Sperranlage vorantreiben, die weit in palästinensisches Gebiet hineinreicht.

Eine Volksabstimmung über seinen Plan zum Rückzug aus dem Gazastreifen schloss Sharon kategorisch aus. Es werde kein Referendum geben, sagte Sharon in Interviews mit drei großen israelischen Zeitungen. Wer eine derartige Volksabstimmung vorschlage, wolle damit nur seinen Rückzugsplan verzögern, sagte der Regierungschef. Der Plan, der die Auflösung von 21 jüdischen Siedlungen im Gazastreifen und die Räumung von vier Außenposten im Westjordanland bis September 2005 vorsieht, werde "ohne Verzögerung gemäß dem Plan umgesetzt", verkündete Sharon.

Bei einem Selbstmordanschlag im Westjordanland wurden am Dienstagmorgen mindestens vier Menschen verletzt, darunter zwei israelische Soldaten. Nach Armeeangaben sprengte sich ein Radfahrer nahe Kalkilia neben einem israelischen Jeep in die Luft. Zu dem Anschlag bekannten sich die Al-Aksa-Brigaden, die der Fatah- Organisation von Palästinenserpräsident Yasser Arafat nahe stehen. (apa)

14.9.2004 11:55