Freitag, 17. September 2004

Pensionen: Erstmals mehr als 400.000 Invaliditätspensionen in Österreich

  • Steigerung von 36 auf 55 Prozent in fünf Jahren
  • Sozialminister Haupt, SP-Silhavy gegen Verschärfungen

Die Zahl der Invaliditätspensionen ist im August erstmals über die Marke von 400.000 gestiegen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger hervor. Im August 2004 war die Zahl noch bei knapp weniger als 385.000 gelegen. Der verstärkte Andrang zur Invaliditätspension lässt sich auch anhand der Antragsstatistik der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) hervor. Vor fünf Jahren war der Anteil der Anträge auf Invaliditätspensionen an allen Anträgen auf Eigenpension noch bei rund 36 Prozent gelegen, nunmehr sind es bereits 55 Prozent.

Die Zahl der Invaliditätspensionen ist im August erstmals über die Marke von 400.000 gestiegen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger hervor. Im August 2004 war die Zahl noch bei knapp weniger als 385.000 gelegen. Der verstärkte Andrang zur Invaliditätspension lässt sich auch anhand der Antragsstatistik der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) hervor. Vor fünf Jahren war der Anteil der Anträge auf Invaliditätspensionen an allen Anträgen auf Eigenpension noch bei rund 36 Prozent gelegen, nunmehr sind es bereits 55 Prozent.

Haupt gegen Verschärfung
Sozialminister Herbert Haupt spricht sich klar gegen härtere Zugangsbestimmungen zur Invaliditätspension aus. "Für mich kommt eine Verschärfung im Invaliditätsrecht überhaupt nicht in Frage", deponiert Haupt per Aussendung. Haupt meint dagegen, man dürfe Menschen, "die ihr ganzes Leben hart gearbeitet haben und nun dafür mit ihrer Gesundheit einen hohen Preis bezahlen" nicht noch zusätzlich das Leben erschweren. Erst 2001 habe die Regierung auf Initiative der FPÖ die Zugangsbedingungen zur Invaliditätspension für Menschen ohne Berufsschutz und für Hilfsarbeiter erleichtert. Eine Verschärfung sei "undenkbar und kein Diskussionsgegenstand", meint Haupt. SP-Sozialsprecherin Heidrun Silhavy bezeichnete die Ankündigung des Regierungsberaters Wolfgang Mazal, dass in diesem Bereich etwas getan werden müsse, als "besorgniserregend".

400.411 Invaliditätspensionen im August
Zwischen 1998 und 2002 war die Zahl der Invaliditätspensionen immer zwischen 375.000 und 385.000 geschwankt. In der zweiten Hälfte 2003 hat dann ein stetiger Anstieg begonnen, im August war die Zahl von 400.411 erreicht. Im Hauptverband geht man davon aus, dass der Anstieg der Invaliditätspensionen auch damit zu erklären ist, dass die vorzeitige Alterspension wegen geminderter Erwerbsfähigkeit ausgelaufen ist.

Zuletzt rund 40 Prozent der Anträge anerkannt
Bei den Anträgen ist der Anstieg bereits seit 1999 spürbar. 2002 wurden erstmals mehr Anträge auf Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension gestellt als Anträge auf andere Pensionsarten. Im Vorjahr betrug der Anteil der Invaliditätspensionen
- so wie auch in den bisherigen Monaten des Jahres 2004 - etwa 55 Prozent.

Dass ein Antrag gestellt wird, heißt freilich noch lange nicht, dass eine Invaliditätspension auch tatsächlich zuerkannt wird. Die Anträge werden zuerst geprüft. Wie lange diese Prüfung dauert, ist laut PVA-Sprecher Johannes Pundy "individuell sehr verschieden" und ist abhängig etwa vom Krankheitsbild der oder des Betroffenen und der Zahl der benötigen Gutachter.

Im Schnitt dauere die Prüfung jedenfalls rund viereinhalb Monate. Antragsteller, die bei der PVA nicht durchkommen, können beim Arbeitsgericht gegen die Entscheidung klagen. Meist werde dabei die Entscheidung der PVA bestätigt: "Es ist nicht so, dass wir so beinhart beurteilen, wie oft gesagt wird."

Anerkannt wurden zuletzt rund 40 Prozent der Anträge. Derartige Werte waren auch Anfang der neunziger Jahre üblich. Im Jahr 2000 war die Zuerkennungsquote - gemessen an an der Zahl der erledigten Anträge - auf knapp 33 Prozent gesunken. (apa)

17.9.2004 13:06