Freitag, 17. September 2004

Gegen FP-Parteilinie: Haider weiterhin klar für einen EU-Beitritt der Türkei!

  • "Europa darf die Türe nicht zuschlagen"
  • PLUS: 61% der Österreicher gegen Türkei-Beitritt

Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider stellt sich in der Frage des EU-Beitritts der Türkei weiterhin gegen die Linie seiner eigenen Partei. Würde Europa jetzt nicht einmal Beitrittsverhandlungen aufnehmen, würde es die Tür zuschlagen und ein Rückschlag in Richtung fundamentalistischer Gottesstaat wäre möglich, sagte Haider am Freitag.

Die Türkei würde sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Richtung einer Säkularisierung entwickeln, meinte Haider vor Journalisten in Klagenfurt. Europa hätte mit der Türkei 40 Jahre lang "ein übles Spiel" getrieben, indem man ihr den Beitritt "wie eine Karotte vor die Nase gehalten hat". Nun müsse man auch die Konsequenzen ziehen und Verhandlungen aufnehmen, zumal dies ja noch nicht einen baldigen Beitritt bedeute.

Lehne man die Türkei als Verhandlungspartner ab, würde dies angesichts der politischen Lage im Mittleren Osten große Risiken bergen. "Dann haben wir womöglich einen fundamentalistischen Gottesstaat im Iran, in der Türkei und dazu das Pulverfass Irak." Dies könne nicht im Interesse Europas sein, unterstrich der Landeshauptmann.

Der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer hingegen liegt genau auf Parteilinie. Er sehe das diametral anders als Haider, betonte Mölzer: "Ich glaube, dass die Türkei sui generis nicht in die europäische Integration einbezogen werden kann." Die FPÖ hat im Sommer dieses Jahres - gegen den Willen Haiders - die Ablehnung eines EU-Beitritts der Türkei als offizielle Parteilinie beschlossen. (apa)

17.9.2004 11:51