Donnerstag, 16. September 2004

Knalleffekt in der Causa Paterno: Kaplan überraschend in Ruhestand getreten!

  • Diözese Feldkirch hat Untersuchungen abgeschlossen
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Knalleffekt in der Causa August Paterno: Der Kaplan, gegen den in den letzten Wochen Vorwürfe sexueller Übergriffe laut geworden waren, ist in den Ruhestand getreten. Paterno habe Bischof Klaus Küng um Pensionierung gebeten, der Bischof habe diesem Ansuchen entsprochen, so der Pastoralamtsleiter der Diözese Feldkirch, Benno Elbs. Die kircheninterne Voruntersuchung zu den angeblichen sexuellen Übergriffen ist unterdessen abgeschlossen. Das Ergebnis der Voruntersuchung wird nun an die Glaubenskongregation im Vatikan weiter geleitet, die dann entscheiden muss, ob es zu einem kirchlichen Verfahren kommt.

Die Untersuchung der Vorwürfe gegen den Kaplan durch die Glaubenskongregation in Rom kann bis zu zwei Monate dauern.

Für Paterno gelte während dieser Zeit selbstverständlich die Unschuldsvermutung, wurde betont. Und solange die Untersuchung in Rom laufe, gelte für Paterno weiter die Auflage, nicht in Medien aufzutreten.

Die Ergebnisse der Voruntersuchung müssten auf jeden Fall nach Rom weitergeleitet werden, unabhängig davon, ob die Anschuldigungen gerechtfertigt seien oder nicht, sagte Elbs. Die Glaubenskongregation werde überprüfen, ob rechtsrelevante Vorkommnisse vorgefallen seien und ob eine Verjährung vorliege. Falls ein Vergehen passiert sei, werde die Angelegenheit am Diözesarengericht behandelt werden. Als schlimmste Strafe, die die Kirche vorsehe, nannte Elbs die Suspendierung und den Entzug des Klerikerstandes.

Auf den Zeitpunkt der Paterno vorgeworfenen Verfehlungen angesprochen, sagte Christoph Röthlin, Mitglied der Voruntersuchungskommission, die mutmaßlichen Opfer hätten von Geschehnissen gesprochen, die fünfzehn Jahre oder länger zurückliegen. Seiner Meinung nach seien sie verjährt.

"Schwer wiegende" Übergriffe?
Der beschuldigte Kaplan wurde nach Angaben des Pastoralamtsleiters in dieser Woche zu den Vorwürfen befragt. Paterno habe dabei den Vorwurf des Missbrauchs zurückgewiesen, wolle sich aber trotzdem mit den Anklägern zusammensetzen, um gut zu machen, was gut zu machen sei. Wie viele Zeugen gegen Paterno ausgesagt haben, sagte Elbs nicht. Berichtet worden sei aber, dass der Kaplan nicht immer die notwendige Distanz bewahrt habe. Auch von "Übergriffen, die schwer wiegend sind", hätten Betroffene gesprochen.

Paterno wird des sexuellen Missbrauchs von mehreren Jugendlichen verdächtigt, wobei die behaupteten Fälle teilweise Jahrzehnte zurückliegen sollen.

Friseur outet sich in NEWS als Missbrauchsopfer
Der bekannte Wiener Friseur Jürgen Türtscher outete sich in NEWS als Missbrauchopfer von Kaplan Paterno. Im Interview mit ORF Radio Vorarlberg gab Türtscher Donnerstagmittag an, Ombudsstelle in Wien und Diözese in Feldkirch wüssten seit einer Woche über die von ihm erhobenen Missbrauchs-Vorwürfe Bescheid, hätten sich aber noch nicht bei ihm gemeldet. "Wir haben erst am 14. September ein Fax von der Ombudsstelle in Wien erhalten, an das das Gesprächsprotokoll angehängt war", sagte Rainer Juriatti, Pressesprecher der Diözese Feldkirch. Pastoralamstleiter Benno Elbs sei an jenem Tag aber "außer Landes gewesen, um die Causa Paterno voranzutreiben". Es habe noch nicht die Möglichkeit bestanden, mit Türtscher Kontakt aufzunehmen.

Gegenüber NEWS schilderte Türtscher (42), Paterno habe ihn 1978, als er noch ein Lehrbub war, als Autostopper in Vorarlberg mitgenommen. "Durch die Hose hat er mich gestreichelt, ich habe ihn regelrecht abdrängen müssen. Mehrmals hat er mir zwischen die Beine gegriffen", so Türtscher. Erst nach wiederholtem Fordern habe Paterno ihn an einer Autobahnausfahrt aussteigen lassen. "Ich habe niemandem davon erzählt, weil ich mich so geschämt habe", sagte der bekannte Friseur.

Paterno schaltet Anwälte ein
Paterno geht jetzt rechtlich gegen die "Verleumdungskampagne" vor. Mit der Rechtsvertretung von Paterno beauftragt wurde der Wiener Rechtsanwalt und Medienrechtler Gottfried Korn. "Auch ein Kirchenmann kann sich nicht alles gefallen lassen", so Korn am Donnerstag gegenüber der APA.

Konkret soll es eine Ehrenbeleidigungs- und eine Unterlassungsklage gegen den Belastungszeugen geben.

Ermittlungen der Sicherheitsdirektion abgeschlossen
Bereits am Vormittag hatte die Sicherheitsdirektion Vorarlberg mitgeteilt, dass die kriminalistischen Untersuchungen im Fall Paterno beendet sind. Das Ermittlungsergebnis werde in diesen Tagen der zuständigen Staatsanwaltschaft zur rechtlichen Beurteilung vorgelegt, sagte Sicherheitsdirektor Elmar Marent. Die Gespräche mit vier mutmaßlichen Missbrauchsopfern seien abgeschlossen. Er wolle die Staatsanwaltschaft aber nicht präjudizieren, indem er Inhalte bekannt gebe, so Marent. Paterno sei noch nicht einvernommen worden, ihm werde aber die Möglichkeit eingeräumt, zum Ermittlungsergebnis Stellung zu nehmen, sobald dies sein Gesundheitszustand erlaube.

Sollte die Staatsanwaltschaft zum Schluss kommen, dass sich Paterno des "Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses" schuldig gemacht hat, muss der Geistliche möglicherweise keine strafrechtlichen Konsequenzen befürchten. Die Verjährungsfrist für ein solches Vergehen beträgt drei bis fünf Jahre. (apa/red)

16.9.2004 14:07