Mittwoch, 15. September 2004

Caritas-Chef Küberl will Pflegeminister:
"Pflegefrage ist sozialpolitische Bombe"

  • Pflegebedürftige Menschen nicht als Kostenfaktor sehen

Die Caritas fordert angesichts des "Kompetenzdschungels" in der Pflegefrage einen "Pflegeminister". Vier Minister, ein Staatssekretär und 16 Landesräte seien für die Pflegefrage zuständig. "Das ist keine Kompetenzaufteilung, sondern ein politisches Wollknäuel, das entwirrt gehört", so Caritas- Präsident Küberl in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Caritas- Direktor Landau am Mittwoch.

In der Pflegefrage sei eine Strukturbereinigung und eine bessere Zusammenarbeit der Länder gefragt. Auf Bundesebene könnte durch ein Kompetenzzentrum und durch einen "Pflegeminister" die Pflege besser verankert werden. "Man muss sich auf das Stück einigen und nicht nur auf einzelne Szenen", so Küberl und schlägt einen Nationalen Aktionsplan vor.

Der Caritas-Präsident nennt die Finanzierung des Pflegebereichs, die Ausarbeitung von Pflegestandards, die Modernisierung der Ausbildung als wichtigste Punkte auf der Agenda. In der Ausbildung brauche es vor allem neue Inhalte um auf zukünftige Entwicklungen entsprechend reagieren zu können. So würde sich die Anzahl der Demenzkranken in 40, 50 Jahren von derzeit rund 90.000 auf 230.000 bzw. 240.000 Betroffene erhöhen. Es brauche nicht nur "beachtliche Kampagnen", sondern auch Fördermittel um mehr Pflegepersonal zu rekrutieren, Umschulungen zu finanzieren und die Menschen während der Ausbildung auch finanziell absichern zu können.

Die Durchführung einer parlamentarischen Enquete zum Thema "Zukunft der Pflege in Österreich" empfiehlt Caritas-Direktor Landau. Man wolle das Thema aus "dem parteipolitischen Streit heraushalten, weil es zu wichtig ist". Landau hebt ergänzend die notwendige Entlastung und Unterstützung pflegender Angehöriger und die "längst angekündigte Valorisierung des Pflegegeldes" hervor. Wünschenswert wäre auch, dass Pflegekarenz analog zu Kindererziehungszeiten als Ersatzzeit zur Pension angerechnet werden.

Um mehr Aufmerksamkeit für das Thema zu erreichen, plant die Caritas ab Mitte September bis Mitte Oktober eine österreichweit angelegte Infokampagne zum Thema "Betreuen und Pflegen".
(apa)

15.9.2004 10:58