Warten auf Entscheidung in Causa Krenn geht weiter: Küng doch nicht nach Rom!
- Visitation wird "ruhig und konsequent" weitergeführt
- PLUS: Theologe: "Krenn-Rücktritt alleine bringt wenig"
·Noch immer kein Statement zu Krenn
Vatikan schweigt weiter zum Rücktritt des Bischofs
·Rätselraten um Krenns Nachfolge!
Viele Namen im Spiel, keine Signale aus Rom
·Ermittlungen gegen
Paterno bestätigt!
Auch gegen einen zweiten Geistlichen wird ermittelt
·Pater Paterno: "Ich bin geschockt"
TV-Kaplan weist Vorwürfe als 'absurd' zurück
Klaus Küng plant keinen Rom-Besuch! Dienstag waren Gerüchte aufgetaucht, apostolische Visitator würde dem Vatikan persönlich Bericht über die Diözese St. Pölten erstatten. Dem ist aber laut Küng-Sekretär Berhard Augustin nicht so. "Wir wüssten nichts davon". Stattdessen werde Küng die Visitation "konsequent, ruhig und ordnungsgemäß" weiterführen. Unterdessen geht das Warten auf die offizielle Bekanntgabe des Rücktritts von Kurt Krenn weiter. Heute feiert Krenn übrigens den 13. Jahrestag seiner Tätigkeit in St. Pölten.
"Es liegt bei Rom", so Augustin zur Frage nach der weiteren Vorgangsweise in der Causa Krenn. Und zur Frage, ob Küng vom Vatikan über einen bevorstehenden Rücktritt Krenns informiert worden sei: "Mir ist nichts bekannt." Im Bulletin des Presseamtes des Heiligen Stuhls vom Mittwoch ist die Diözese St. Pölten wie schon in den vergangenen Tagen kein Thema.
Zulehner: "Krenn-Rücktritt allein bringt wenig"
Der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner weist unterdessen in der "Wiener Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe) darauf hin, dass der Rücktritt Krenns allein der katholischen Kirche in Österreich nur wenig bringe: "Letztlich verändert sich wahrscheinlich sehr wenig." Die Personalprobleme müssten zwar in den nächsten Jahren abgearbeitet werden, aber die "eigentlichen Probleme" seien völlig anderer Art: "Das ist diese tief greifende Transformationskrise, durch die die Kirche durch muss. Sie erlebt letztlich jetzt das wirkliche Ende der Konstantinischen Wende in Europa, wo das Christentum in Europa kultur- und staatsgestützt war." Heute hätten sich alle öffentlichen Einrichtungen aus dem religiösen Bereich zurückgezogen: "Jetzt muss die Kirche den Einzelnen gewinnen, und das ist in der Geschichte der Kirche in Österreich eine völlig neue Lage."
Natürlich seien auch die Personen an der Spitze einer Institution wichtig, dafür, ob jemand die Kirche verlässt oder nicht, seien aber "Gratifikationen" entscheidend und weniger die Personen oder der Umgang mit Themen wie Sexualität, Frauen oder Freiheit: "Wenn ich so viel gewinne, dass ich sage, das reicht mir, dass ich bleibe, dann gehe ich auch nicht wegen eines Bischofs." Letztlich sollte man der Kirche nicht wegen eines Bischofs, sondern wegen der Verankerung im Evangelium angehören" Aber: "Wenn man die Kirchenaustrittszahlen in den Wochen nach dem Super-GAU in St. Pölten gelesen hat, dann zeigt sich eben, wie wenig verankert viele Kirchenmitglieder in diesem Zentrum der Kirche sind und wie leicht es ihnen fällt, uns die Mitgliedschaft aufzukündigen."
In St. Pölten hat man nach Ansicht Zulehners in der Priesterausbildung einen Grundsatz missachtet: "Wir nehmen ins Amt nur jemanden, der menschlich so reif ist, dass er auch seine Sexualität integriert hat." Und weiter: "Ich glaube, dass Rom auch deswegen so sensibel auf die St. Pöltner Verhältnisse schaut, weil sich hier ein Schaden angedeutet hat, der wirklich nicht mehr gutzumachen wäre: Wenn nämlich die Kirche das Vertrauen der Leute verlöre, dass man ihr Kinder und Jugendliche anvertrauen kann."
Zur Situation nach dem Rücktritt Krenns meinte Zulehner, ein neuer Bischof von außen wäre "wahrscheinlich" die beste Lösung. Der Theologe empfiehlt Rom jedenfalls ein sorgfältiges "Hineinhören in das gesamte Kirchenvolk", aber auch Rücksicht auf den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, der bemüht sei, die polarisierte Bischofskonferenz handlungsfähig zu machen. Von der Möglichkeit, dass Rom einen Administrator von außen bestellt, hält er wenig. Dies wäre - nach der Visitation durch Küng - "eine Demütigung für die Leute in der Diözese, wenn man den Vormund noch länger lässt, als es nötig ist". Das würde signalisieren, dass es sich abgesehen vom Problem Krenn um eine "unmündige Diözese" handle.
(apa/red)
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