Donnerstag, 13. Jänner 2005

Wasserstand im Sinken: Venedig ist ausnahmsweise von Niedrigwasser geplagt

  • Hochdrucklage und Neumond sind die Ursachen
  • Nun ist auch die schmutzige Seite Venedigs sichtbar

Touristen trauen ihren Augen nicht: Venedigs Gondeln liegen auf dem Trockenen. Ungewöhnliche Wetterbedingungen lassen den Wasserstand in der Lagunenstadt seit Tagen bei Ebbe so stark absinken, dass der Schiffsverkehr in vielen Kanälen zum Stillstand kommt. Zeitweise sei nur doch der Canal Grande befahrbar gewesen.

"Es gibt nicht nur Hochwasser, es gibt auch Niedrigwasser in Venedig", beschreibt die italienische Tageszeitung "La Repubblica" das Phänomen. am Donnerstag. "Das trockene Venedig ist eine Stadt, die nackt ist, wie eine große Dame, die ihre Schminke verliert."

Lagunenstadt kommt zum Erliegen
Der tiefste Stand mit 80 Zentimetern unter normal sei schon vor Tagen bei Ebbe gemessen worden, berichteten die Behörden. Bei 50 Zentimetern läuft auf den kleinen Seitenkanälen nichts mehr, heißt es. Das Problem: Ohne Bootsverkehr kommt das Leben in der Lagunenstadt zum Erliegen, denn sämtlicher Personen- und Güterverkehr spielt sich auf dem Wasser ab - auch Post, Ambulanz und Feuerwehr sind darauf angewiesen.

Hochdruck
Experten führen das Spektakel auf eine besondere Wetterlage zurück: Hochdruck über Italien, verbunden mit einer Neumondphase sowie besonderen Windverhältnissen. "Aber acqua bassa (Niedrigwasser) ist ein typisches Phänomen im Jänner und Februar", weiß die Lokalzeitung "Il Gazzettino" zu berichten.

Touristen sind entsetzt
"Die Stadt scheint wie ein Trugbild ihrer selbst", versucht dagegen die in Rom erscheinende "La Repubblica" die Situation auf den Punkt zu bringen. "Und die Touristen sind total entsetzt." Unangenehm sei, dass nun auch mancher Unrat, manche "Runzel der alten Dame Venedig" ans Tageslicht komme. Da falle der Blick auf eine alte Waschmaschine im Schlamm, an anderer Stelle auf rostiges Alteisen, das bisher unter dem Wasserspiegel verborgen war.

Schmutzige Seite
Es ist die schmutzige Seite, die Schattenseite der "Serenissima", der einst so stolzen Seerepublik, die bei niedrigem Pegel so ungeschminkt zu Tage tritt. Hinzu kommen die unfeinen Gerüche, die die Venezianer die Nase rümpfen lassen. Vermutlich ist dies der Grund, dass "acqua bassa" meist nie so große Schlagzeilen macht wie das Hochwasser, in dem die Lagunenstadt mitunter versinkt. Mit Gummistiefeln über den Markusplatz zu gehen, macht Touristen Spaß - Gondeln im Schlamm sind dagegen ein trauriger Anblick. (apa)

13.1.2005 14:53