Mittwoch, 8. September 2004

Exklusiv: Von Mördern lernen

  • Wie Profiler mit dem Wissen von Killern auf Täterjagd gehen

Kriminalpsychologe Thomas Müller hat ein Buch über die Mörderpsyche geschrieben. Hauptfiguren: Jack Unterweger & Co.

Ein Mensch begeht einen Mord, ohne ersichtlichen Grund. Der Killer kennt sein Opfer nicht, er hat es einfach gesucht, irgendwo, an einem Straßenrand, in einer Seitengasse, und als er es sah, beschloss er, es sich „anzueignen“. Es zu quälen, zu töten, ihm danach den Kopf abzuschneiden oder seinen Körper auszuweiden.

„Fremde Welten“. Und das Motiv für dieses Verbrechen weiß nur der Täter selbst. Weil die Tat so abnorm ist, dass es keine Erklärung dafür zu geben scheint. Weil es eben, wie schon John Steinbeck feststellte, „Menschen gibt, die in Erfahrungswelten leben, die wir nicht betreten können …“

Nicht zufällig steht das Zitat des Literaturnobelpreisträgers auf dem Cover eines soeben im ecowin-Verlag erschienenen Buches, das von abscheulichen – unbegreiflichen – Verbrechen handelt und von den Menschen, die sie begangen haben. Der Titel: „Bestie Mensch“. Der Autor: Thomas Müller. Polizist, Doktor der Psychologe – und einziger „Profiler“ Österreichs.

Obwohl – die Berufsbezeichnung „Profiler“ hört Müller eigentlich gar nicht mehr so gern: „Denn mittlerweile ist ja beinahe schon in jeder Krimiserie ein ,Profiler‘ am Werk – der dann an irgendeinem Tatort steht und in Sekundenschnelle Diagnosen darüber abgibt, wie der Täter strukturiert sein muss.“ Und diese Darstellung seines „Jobs“ sei halt eine völlig falsche …

„Auf Hannibal Lecters Spuren“. Eine – zumindest in Ansätzen – richtige gäbe es nur in einem Film: im „Schweigen der Lämmer“. Zur Erinnerung: Ein Serienkiller, der seine Opfer häutet, treibt darin sein Unwesen. Um ihm auf die Spur zu kommen, um zu erfahren, wie er denkt, wird eine junge FBI-Agentin damit beauftragt, den Psychiater Hannibal Lecter, einen bereits verhafteten Frauenmörder, der ähnliche Verbrechen begangen hat, zu befragen. Also in seine und damit auch in die Seele der noch gesuchten „Bestie“ vorzudringen …

Wie diese Ermittlerin geht auch (der ebenfalls vom FBI geschulte) Thomas Müller bei seiner Arbeit vor. Rund um den Globus interviewte er seit Anfang der 90er Jahre in Hochsicherheitstrakten Dutzende Menschen, die aufgrund der Grausamkeiten ihrer Taten in die Kriminalgeschichte eingegangen sind. Und die Dinge, die er in diesen Gesprächen erfuhr, sind die Grundlage dafür: zu aktuellen, ungeklärten Delikten Täterprofile zu erstellen.

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8.9.2004 16:20